Podienklavier für variables Spiel

Am Schauspiel Franfurt konnte der Theaterarchitekt Werner Ruhnau 1978 erstmals sein Konzept der Podienklaviere realisieren. Auf vorhandene Betonstufen aufgesattelte Scherenhubpodien – Archiv Baukunst Anita und Werner Ruhnau
Nutzung als Arenatheater mit zusätzlicher kleiner Bühne an der Saalrückwand – Archiv Baukunst Anita und Werner Ruhnau

Der Theaterarchitekt Werner Ruhnau entwarf ab 1958 Podienklaviere, um variable Räume für darstellendes Spiel zu schaffen. Denn wie er sagt: „Klassische Theateraufführungen sind nur eine Variante des darstellenden Spiels. Diese wichtige Erkenntnis hat mir [der Dramaturg und Regisseur] Claus Bremer in Münster vermittelt [,wo Ruhnau 1952-56 zusammen mit Harald Deilmann und anderen seinen ersten Theaterbau entwarf]. 1911 schuf Adolphe Appia mit Heinrich Tessenow in Hellerau einen Spielraum ohne Trennung von Bühne und Saal. 16 Zentimeter hohe, einen Quadratmeter große Kisten, die so genannten ‚Praktikablen‘ ermöglichten unterscheidliche Topographien von Bühne und Saal.“ Soweit Werner Ruhnau. In der Fachwelt wurde dieser Ansatz damals intensiv diskutiert. Erstmals realisieren konnte Ruhnau sein Podiumsklavier am Schauspiel in Frankfurt am Main 1978 unter der Intendanz von Wilfried Minks und Johannes Scharf.

Quelle: Werner Ruhnau: Der Raum, das Spiel und die Künste, Jovis Verlag, Berlin 2007, S. 65 – 69. Dank an Georg Ruhnau.

2 Kommentare zu „Podienklavier für variables Spiel

    1. Sehr geehrte Frau Nemmel,

      in welcher Form die Hubpodien genutzt wurden bzw. genutzt werden kann ich Ihnen nicht genau sagen.
      Manchmal ist es aber auch so, dass die Besucher gar nicht merken, ob und in wie weit Hubpodien zum Einsatz kommen.
      Ich meine mich aber zu erinnern, dass die Hubpodientechnik irgendwann nicht mehr gewartet und somit unbrauchbar wurde.

      Es geht aber vorrangig um das Prinzip des Raumtheaters, welches ein „Spiel nicht nur im, sondern mit dem Raum“ (W. Ruhnau) ermöglicht.
      Dazu sind u. a. umfangreiche bauliche und baurechtliche Vorkehrungen bei Errichtung eines multifunktionalen Spielraumes zu berücksichtigen; die Hubpodien wiederum sind nur eine Teil der Gasamtarchitektur.
      Bei diesem Bild z. B. (Link s. unten) aus 2017 steht eine Zuschauertribüne auf der Bühne, was ein sehr gutes Beispiel für das vom Regisseur genutzte Prinzip des baulich vorgesehenen Raumtheaters darstellt.

      Mit freundlichen Grüßen

      Architekt Georg Ruhnau

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