Städtische Bühnen Frankfurt: Mangel an Transparenz, fehlende Offenheit im Umgang mit kritischen Stimmen und kein Denkmalschutz. Initiative kündigt kritischen Live-Chat zur Diskussion am 10. Juni an.
Wir begrüßen die neue Lebendigkeit, welche die Diskussion um die Zukunft der Städtischen Bühnen in den letzten Wochen gewonnen hat. Wir sehen darin auch einen Gewinn für die notwendige öffentliche Auseinandersetzung, bleiben aber skeptisch, ob die Verantwortlichen an einer Diskussion ernsthaft interessiert sind. Denn die für eine solche Angelegenheit von allgemeinem öffentlichen Interesse notwendige Transparenz wird weiterhin nur eingeschränkt gewährt, wesentliche Aspekte des Projekts werden gar nicht oder nur ungenügend behandelt und wichtige Stimmen bislang nicht in die Debatte einbezogen. Zu den Entwicklungen der letzten Wochen bezieht die Initiative hier noch einmal knapp Stellung und verweist auf die Webseite www.zukunft-buehnen-frankfurt.de, auf der kontinuierlich Informationen, Rechercheergebnisse und Diskussionsbeiträge veröffentlicht werden.
Für Mittwoch, den 10.6.2020, 19 Uhr, hat die Frankfurter Kulturdezernentin Ina Hartwig eine – wenn auch alles andere als kontrovers konzipierte – Diskussion im Livestream angekündigt. Wir werden diese im Live-Chat auf der Plattform nachtkritik.de kritisch kommentieren und laden alle Interessierten ein, sich an dieser offenen Diskussion in unserem Chat zu beteiligen.
Unsere Positionen und Kommentare zum aktuellen Stand der Debatte:
Denkmalschutz
Das Landesamt für Denkmalpflege Hessen hat in einem Gutachten dargelegt, dass die Drehbühne, die erhaltenen Teile des alten Theaters und das Wolkenfoyer Denkmalwert besitzen. Die Äußerungen der städtischen Vertreter lassen allerdings nicht darauf schließen, dass die Belange des Denkmalschutzes nun adäquat aufgegriffen werden, vielmehr ist das Gutachten für die Kulturdezernentin „kein Grund, unsere Planung in Frage zu stellen,“ und sie spricht davon, „den Denkmalwert des Wolkenfoyers in etwas Neues [zu] überführen“. Ein solches Raumkunstwerk kann aber nicht nach Belieben transloziert werden, allein schon aus urheberrechtlichen Gründen. Der Urheberrechtsvertreter des Künstlers, Roland Wäspe, hat sich erst vor kurzem gegen ein solches Vorgehen ausgesprochen.
Gutachten
Es ist zu begrüßen, dass ein Teil der Gutachten, auf deren Basis die Empfehlung zur Entscheidung der Stadtverordnetenversammlung verfasst wurde, nun öffentlich ist. Allerdings bleiben wesentliche Teile der Unterlagen weiter unter Verschluss, etwa das Validierungsgutachten oder die Kostenermittlung und das Raumprogramm des Planerteams. Falls tatsächlich Transparenz geschaffen werden soll, kann dies nicht selektiv vonstatten gehen; insbesondere die Zahlen und Berechnungsgrundlagen, die ja allen Erklärungen der städtischen Vertreter zufolge für die Entscheidung ausschlaggebend waren, müssen veröffentlicht werden.
Fünf Optionen?
Die Verantwortlichen der Stadt wollen nun fünf Standortvarianten für den Theaterneubau prüfen. Neben dem heutigen Standort gehören hierzu der Osthafen sowie zwei Standorte in den Wallanlagen. Der nicht zuletzt denkmalpflegerisch gebotene Erhalt des Foyers ist nur sinnhaft, wenn die beiden Häuser – wenn auch in einem Teilneubau – am jetzigen Standort verbleiben. Eine Bebauung in der Wallanlage führt zudem zu einem zusätzlichen Schaden, welcher diesen historisch geschützten Grünzug erheblich beeinträchtigt. Aus Sicht der Initiative ist schon jetzt absehbar, dass unter den gegebenen Optionen nur der Erhalt beider Häuser am heutigen Standort sinnvoll sein kann. Um so dringender ist die Frage eines Interims zu klären, eine auch international übliche Lösung (in den letzten Jahren z.B. Staatsoper Berlin, Oper und Schauspiel Köln, Staatstheater Augsburg, Opéra des Nations Genf, Comédie-Française Paris u.v.m.).
Öffentliche Diskussion
Erfreulicherweise stellt die Kulturdezernentin sich am Mittwoch den 10. Juni im DAM einer öffentlichen Diskussion. Neben der Kulturdezernentin werden der Intendant des Schauspielhauses, für dessen Vertragsverlängerung die Dezernentin alleinverantwortlich ist, sowie der Vorsitzende des Städtebaubeirats, der ihren Kollegen, den SPD-Vorsitzenden Mike Josef berät, an der Veranstaltung teilnehmen. Das heißt: Eine kontroverse inhaltliche Diskussion abseits von parteipolitischen Verlautbarungen ist hier kaum zu erwarten. Kritische Stimmen sind nicht auf dem Podium vertreten. Jenseits der Initiator*innen dieser Initiative hätten Kritiker am Vorgehen der Stadt eingeladen werden können, die sich etwa in der Frankfurter Rundschau zum Thema geäußert haben. Es hätten Theaterleute mit hinzugezogen werden können, die andere Konzepte als das traditionelle Literaturtheater vertreten. Es hätten Expert*innen für Denkmalschutz beteiligt werden können, die ein Wort zur Abwägung zwischen Aspekten des Denkmalschutzes und solchen der Arbeitsschutzbedingungen hätten sagen können. Auch wäre bei einer solchen, von der Stadt ausgehenden Veranstaltung zu erwarten gewesen, dass zumindest das Spektrum der in der Koalition vertretenen Standpunkte abgebildet worden wäre.
Komplexität
Trotz der durchaus positiven Entwicklungen ist nach wie vor nicht zu erkennen, dass die Diskussion der Komplexität der Sache gerecht wird. Es werden weder gesamtökologische Fragen noch Theaterkonzeptionen oder gar gesellschaftliche Themen verhandelt.
Eine Diskussion, die kritische Stimmen nicht aufgreift, Transparenz nur insoweit herstellt, wie sie unumgänglich ist, und die der Sache angemessenen Tiefe nicht öffentlich geführt wird muss aus unserer Sicht scheitern.
Die Initiatoren der Petition zur Zukunft der Städtischen Bühnen
Zur Diskussion und zum Live-Chat am Mittwoch, den 10.6.2020.
Bei der Veranstaltung „Zur Zukunft der Städtischen Bühnen: Standorte und Stadträume“ diskutieren auf dem Podium:
Dr. Ina Hartwig, Kulturdezernentin Stadt Frankfurt Anselm Weber, Intendant Schauspiel Frankfurt Torsten Becker, Stadtplaner und Vorsitzender des Städtebaubeirats von Frankfurt, moderiert von Peter Cachola Schmal, Direktor des Deutschen Architekturmuseums
Auf Nachtkritik.de ist neben dem Livestream ein Live-Chat möglich. Bei diesem kann sich jeder einbringen. Mitdiskutieren und -kommentieren werden auch Maren Harnack, Hanns-Christoph Koch, Nikolaus Müller-Schöll, Philipp Oswalt und Carsten Ruhl von der Initiative Zukunft Städtische Bühnen Frankfurt.
Als vor drei Wochen das hessische Landesdenkmalamt ein Gutachten zum Denkmalwert der Städtischen Bühnen veröffentlichte und die Stadt Frankfurt hierauf positiv reagierte, erweckte dies in der Öffentlichkeit den Anschein, die Belange des Denkmalschutzes würden bei den weiteren Planungen und Entscheidungen nun adäquat berücksichtigt. Wie sich inzwischen herausstellt, ist dies aber nicht der Fall.
Gemäß ihren Äußerungen gegenüber der Presse (u.a. in der Frankfurter Rundschau vom 3.6.2020 und 22.5.2020) haben sich Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD), der Planungsdezernent Mike Josef (SPD) und der Leiter der Stabsstelle Michael Guntersdorf darauf verständigt, das heutige Wolkenfoyer der Theaterdoppelanlage am Willy-Brandt-Platz in einen Neubau zu überführen und zu integrieren. Damit meinen die städtischen Vertreter dem vom Landesdenkmalamt festgestellten Denkmalwert des Baus Genüge zu tun. Das jüngst veröffentliche Gutachten hat den Denkmalwert des Foyers aus geschichtlichen, künstlerischen und städtebaulichen Gründen festgestellt. Darüber hinaus hat es allerdings auch die Drehbühne des Opernhauses und die Einbeziehung der Jugendstilruine in den modernen Theaterbau als Denkmalwerte benannt.
Doch diese Reaktion der städtische Vertreter ist völlig inadäquat. Eine solche Transplantation der Raumskulptur des ungarischen Künstlers Zoltán Kemény wird weder dem Denkmalcharakter der Architektur des Foyers noch dem Kunstwerk selbst gerecht. Sie zeugt von einer Ignoranz gegenüber denkmalpflegerischen wie künstlerischen Fragen. Ein solches Raumkunstwerk ist keine Verschiebemasse, die nach Belieben transloziert werden kann. Es ist eine ortspezifische Arbeit, die vom Künstler vor Ort für diesen Bau entwickelt wurde. Ganz unabhängig für das fehlende Verständnis für Kunst drückt sich hier auch ein dilettantischer Umgang mit Urheberrechten aus. Die Rechte am Werk von Zoltán Kemény werden von Roland Wäspe, Direktor des Kunstmuseum St. Gallen, vertreten, der vor kurzem ein Statement für die Plattform der Initiative „Zukunft Städtische Bühnen“ schrieb, in dem es heißt: „Dieses Hauptwerk der Kunst der 1960er Jahre darf keinesfalls in Mitleidenschaft gezogen werden und verträgt keinen Wechsel in eine andere Architektur“ (Siehe: https://zukunft-buehnen-frankfurt.de/2020/05/02/kosmische-elemente-in-musischer-ordnung/). Ohne Zustimmung des Inhabers der Urheberrechte ist das angestrebte Translozieren also gar nicht möglich.
Ohnehin würde mit einem solchen Vorgehen das bauliche Denkmal zerstört, dessen Wert das Gutachten des Denkmalamts gerade herausgestrichen hatte. Dort heißt es u.a: „Markant bringt es den kulturellen Anspruch der Doppelanlage am Übergang von der Innenstadt über die Wallanlagen zum westlich anschließenden Bahnhofsviertel zur Geltung. Die Städtischen Bühnen bilden einen Point de vue am südwestlichen Ende der Wallanlagen und konstituieren mit dem vorgelagerten Verkehrsraum eine Freifläche eigenen Charakters. Die Folie, vor der sich das gesellschaftliche Leben an diesem Ort abspielt und in die die Städtischen Bühnen eingebunden sind, zeigt sich in der Nordfassade der Anlage. Das Foyer wirkt als bidirektionales Schaufenster sowohl nach außen als auch nach innen und stellt so die für einen Kulturbau notwendige Repräsentation her.“
Auch ohne die – wie auch in einer Reihe von anderen Fällen bislang unterbliebene – formelle Eintragung in die Denkmalliste unterliegen die Gebäudeteile mit Denkmalwert nach § 11 des Hessischen Denkmalschutzgesetzes dem Denkmalschutz. Dies ist auch der Stadt bekannt. Gleichwohl sind die Verantwortlichen der Stadt Frankfurt nicht willens, den Denkmalwert de facto anzuerkennen und mit diesem gemäß den Erfordernissen des Hessischen Denkmalgesetzes umzugehen. Dies räumt die Stadt Frankfurt jüngst auch selbst ein. In einem Bericht des Magistrat an die Stadtverordnetenversammlung vom heißt es: „Es ist allerdings Eigentümerinnen und Eigentümern sowie Behörden und anderen Baubeteiligten schwer zu vermitteln, dass ohne eine Denkmalausweisung bzw. eine Eigentümerbenachrichtigung Auflagen und Bedingungen auf Grundlage des HDSchg formuliert werden.“ (Bericht des Magistrats B 77 vom 21.2.2020)
Die Genehmigung zur Zerstörung des Denkmals erfordert eine Abwägung der Belange. Diese ist bislang unterblieben, auch weil unter anderem der Planungsdezernent Mike Josef (SPD) den Denkmalcharakter wider besseren Wissens in Abrede gestellt hat und in Folge dessen Fragen des Denkmalschutz im Vorfeld der Abrissentscheidung ignoriert wurden. Mike Josef bekannte im März 2019 offenherzig, „Grundlage seiner Arbeit und Entscheidung über das Gebäude basiere auf der Tatsache, dass das Schauspielhaus oder Teile davon zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht unter Denkmalschutz stehen“. In den 175-seitigen Unterlagen der Stabsstelle, welche die Abrissentscheidung des Stadtparlaments von Januar 2020 begründen, wird die vom Landeskonservator Heinz Wionski bereits im Jahr 2017 gegenüber der Stadt benannten Denkmalwerte der Theaterdoppelanalage nicht ein einziges Mal erwähnt. Auch bei der Entscheidung des Stadtparlaments spielte die Frage keine Rolle. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Die Stadt strebt einen Neubau an, und bei drei der nun fünf avisierten Varianten soll zudem in die ebenfalls denkmalgeschützte Wallanlagen massiv eingegriffen werden.
Ein überwiegendes öffentliche Interesse für eine Zerstörung der denkmalwerten Teile des Theaterbaus ist auch nicht einfach zu begründen, weil weder Foyer noch Zuschauerraum und Bühne der Oper zu den problematischen Arbeitsbedingungen beiträgt, die in jüngster Zeit von Kulturdezernentin und Theaterintendanz als Argumente für den Totalabriss vorgebracht wurden.
Die Begründungsnot für den Totalabriss besteht um so mehr, weil bei genauer Betrachtung die von der Stabsstelle vorgelegten Kalkulationen der Kosten erhebliche Fragen aufwerfen. Einige Unterlagen hat die Stabsstelle inzwischen auf öffentlichen Druck zugänglich gemacht, aber wichtige Teile der Gutachten sind nach wie vor unter Verschluss. Nicht einsehbar sind bislang das gesamte Gutachten des Evaluationsteams, aber auch die Kostenermittlung und das Raumprogramm des Planerteams. Wir fordern die Stadt auf, diese Unterlagen unverzüglich zu veröffentlichen.
Ein 16-seitiger Bericht der Stabsstelle wurde erst am 10.2.2020 nachgereicht. Die grundlegenden Gutachten sind bis heute nicht veröffentlicht worden und lagen auch den Abgeordneten bei ihrer Entscheidung nicht vor.
Nachdem die Coronakrise den ehrgeizigen Fitzcarraldophantasien für einen Neubau des Frankfurter Schauspiels eine Absage erteilt hat, erleidet die umstrittene Planung der Stadt nun die nächste Schlappe. Das Landesdenkmalamt bestätigt in einem Gutachten die Denkmalschutzwürde des Foyers.
Von Sandra Pappe
Hauptsache Abreissen!
Die Corona-Schutzmaßnahmen stellen das bisher gepflegte Veranstaltungswesen weltweit langfristig in Frage. Ende März beschloss die Stadt Frankfurt, die Investitionen für die Städtischen Bühnen vorerst auf Eis zu legen. Obwohl ohne das damit entfallene klare Planungsziel kein entsprechender Handlungsbedarf mehr vorliegt, hält die Stabsstelle dennoch stur an den Abrissplänen fest. Deutlicher hätte die Stadt gar nicht offenbaren können, dass der Abriss der Städtischen Bühnen längst beschlossene Sache, wenn nicht gar das eigentliche Ziel des fragwürdigen Gutachtenverfahrens von Herr Guntersdorf, Leiter der Stabsstelle zur Zukunft der Städtischen Bühnen, war.
Bereits vorher fragte man sich, warum für das Gutachten, das dann auch den Ausschlag für den Abrissbeschluss gab, ein Stadtplaner angestellt wurde, der seine Abneigung gegen die „Kiste“, die „weg müsse“ so offen und häufig postuliert wie sein Missfallen an der spätmodernen Gestaltung des Bühnengebäudes. Bei den Rekonstruktionsfreunden, die Herr Guntersdorf von seiner Tätigkeit als Leiter der DomRömer AG vertraut sind, macht er sich mit dieser Abwertung des Baudenkmals, um dessen Sanierung es eigentlich ursprünglich mal gehen sollte, auf jeden Fall beliebt.
Der ohnehin subjektive Vorwurf Otto Apels Theaterbau sei „nicht schön“, ist offensichtlich ein vorgeschobenes Kriterium. Das Baudenkmal erinnert nicht nur an den demokratischen Neuaufang nach dem Ende der NS-Diktatur sondern eben auch an jenes Merkmal der Moderne, das Rechtskonservativen und -extremistInnen immer der wirkliche Dorn im Auge war: Das Versprechen, auch dem Teil der Bevölkerung etwas zu gönnen, denen in der vormodernen Feudalgesellschaft nichts gegönnt wurde und in der neoliberalen Leistungsgesellschaft erneut nichts gegönnt wird. Die Kritik an den Gestaltungsformen der Moderne dient allzu oft nur als Deckmantel für den Hass auf den zivilisatorischen Fortschritt, den diese mit der In-Frage-Stellung der kaiserzeitlichen Gesellschaftsordnung vollzogen hat.
Es ist nicht verwunderlich, dass die Gewinner einer expansionistischen Wirtschaftspolitik, die Glücksrittertum und Wirtschaftskriminalität als „Erfolg“ glorifiziert, in das selbe Horn blasen und das bauliche Symbol eines „Theaters für Alle“ gar nicht schnell genug durch ein besser zu ihrem Investorenstandort passendes Prestigeprojekt ersetzen können. Erst einmal mit dem Abriss vollendete Tatsachen schaffen – diesem in Frankfurt alt bewährten Vorgehen hat das Denkmalamt nun vorerst einen Riegel vorgeschoben.
Die Rechnung ohne das Denkmalamt gemacht
Nach dem Gutachten vom 17. April 2020 reduziert sich die den städtischen Bühnen zuletzt von Planungsdezernent Mike Josef abgesprochene Denkmalwürde auf die bisher ausgebliebene Eintragung in der Denkmalliste, die aber laut § 11 des Hessischen Denkmalschutzgesetzes ohnehin nur formelle Bedeutung hat.Hätte sich die Stadt an den gesetzlich vorgegebenen Weg gehalten, wäre es dem Denkmalschutzamt schon früher möglich gewesenen, die städtischen VolksvertreterInnen über ihre Wissensmängel aufzuklären. Das hätte der Öffentlichkeit auch viel Geld für eine substanzlose Schnellschuss-Planung und sinnlose Gutachten erspart.
Stattdessen wurde das Denkmalamt vorsorglich gar nicht erst in das Verfahren eingebunden, sondern bekam nur im Nachgang mitgeteilt, dass das dafür gar nicht zuständige Stadtparlament die Städtischen Bühnen nicht als Denkmal einschätze. Auch die Beantragung einer nach § 18 des Hessischen Denkmalschutzgesetz erforderlichen Abrissgenehmigunghielt die Stadt nicht für nötig und umging damit die Abwägung denkmalpflegerischer und öffentlicher Belange.
So sind die von Landeskonservator Heinz Wionski geäußerten Hinweise auf ein von ihm zukünftig gewünschtes „konstruktives Miteinander“ und das gemeinsame Entwickeln weiterer Schritte auch als ironischer Kommentar auf die selbstherrliche Entmündigung demokratischer Instanzen zu verstehen. Ob Wionskis dezenter Wink mit dem Zaunpfahl einen offenen Diskurs auf Augenhöhe zu Folge hat, ist angesichts der bisher ausgiebig demonstrierten Kritikunfähigkeit der Zuständigen wenig wahrscheinlich.
Mit dieser geradezu lachhaften Negierung der zum Berufsbild der Architektur gehörenden Planungsmethodik diffamiert Guntersdorf ungeniert den eigenen Berufsstand. Dies ist nur im Rahmen genau der scheinheiligen Dummstellerei verständlich, die vor allem in rechten Kreisen gut ankommt, weil sie einer der Grundpfeiler rechtspopulistischer Propaganda ist. Mit nichts kann man sich den Beifall der von der Leistungsgesellschaft Abgehängten besser sichern, als mit einer Bestätigung des Bildungsneids auf die studierten „Besserwisser“.
Guntersdorfs polemische Ausfälle offenbaren die Unglaubwürdigkeit seiner nach außen postulierten Einschätzung beruflicher Expertise. Warum auf fachliche Argumente eingehen, wenn man Gegnern der eigenen Meinung einfach die Befähigung zum Mitreden absprechen kann? Kompetenz wird bei Guntersdorf nicht an Ausbildung, Berufspraxis oder professionellem Status bemessen, sondern ausschließlich daran, ob man seine persönlichen Vorlieben teilt oder nicht. Wer Guntersdorf kritisiert, hat eben keine Ahnung, so einfach ist das.
Die Autokraten-Demagogik aus der Mottenkiste des 20. Jahrhunderts hat in Frankfurt Schule gemacht. In dem dadurch erzeugten Klima hat ein sachlicher, konstruktiver Diskurs keine Chance.
So zeugt der Vorschlag, die durch einen Abriss des Foyers heimatlos werdenden „Goldwolken“ einfach woanders aufzustellen, von derselben Ignoranz. Da die Skulptur nun einmal bewusst als Bestandteil eines Gesamtkunstwerks konzipiert ist, degradiert eine Trennung die Skulptur zum seines Kontexts beraubten Dekorationsobjekt und entwertet dessen künstlerische Aussage. Die damit verbundene Geringschätzung des Künstlers passt einer Stadtplanungspolitik gut in den Kram, die lebendige Erinnerungskultur Stück für Stück durch historisch anmutende Surrogate ersetzt.
Gefährliches Spiel mit dem Feuer
Frankfurts Stadtverordnete spielen ein gefährliches Spiel. Die arrogante Selbstherrlichkeit, mit der das Stadtparlament über jede Kritik hinweg regiert und einen konstruktiven Diskurs verweigert, verstärkt das Ohnmachtsgefühl in der Bürgerschaft und bietet Verschwörungstheoretikern den idealen Nährboden. Gerade eben noch hat die Stadt die Schreihälse aus dem rechten Lager mit dem Bonbon des Altstadt-Surrogats ruhig gestellt, schon stehen sie wieder auf der Straße und fantasieren einen heimlichen Bevölkerungsaustausch herbei. Ausgerechnet jetzt, wo die Coronaschutzmaßnahmen die Situation verschärfen, gießt die Betonköpfigkeit des Stadtparlaments Öl ins Feuer.
Wir brauchen eine Stadt für Alle
Die Pandemie ist ein Warnsignal, ein letzter Schuss vor den Bug, der uns noch einmal vor Augen führt, dass wir uns ein „Weiter so“ nicht mehr leisten können. Kein „Weiter So“ für eine Politik, die populistische Zugeständnisse an einen von Hetzern herbeigeredeten „Willen“ der Bürger macht, um diesen nicht geben zu müssen, was sie tatsächlich brauchen. Wir benötigen weder überteuerte Repräsentationspaläste für Investoren und Möchtegern-Großbürger noch pseudohistorische Knipskulissen für die ewig Gestrigen.
Wir brauchen eine Stadt für Alle. Wir brauchen offene, allen zugängliche Räume, die eine progressive Kulturszene ermöglichen. Wir brauchen Anregung zum kritischen Denken und kulturelle Vielfalt, das Gegengift zu demokratiegefährdender Bildungs- und Wissenschaftsferne. Mit den städtischen Bühnen haben wir einen solchen Raum bereits. Wir müssen nur aufpassen, dass er uns im Frankfurter Geschachere um politische Gefälligkeiten nicht verloren geht.
Publikation mit freundlicher Genehmigung von Sandra Pappe
Sandra Pappe ist Fachautorin und Illustratorin. Sie machte ihren Abschluss im Fachbereich Architektur an der FH Darmstadt und verlegte sich nach Aufbaustudiengängen für Onlineredaktion und Buch- und Medienpraxis auf das Publizieren. Sie betreibt den Blog architektur-ist-politik.de und hat unter anderem einen Architekturführer für die Stadt Frankfurt veröffentlicht.
In dem Master-Entwurf, ausgezeichnet mit dem Jahrespreis der Masterarbeiten der Universität Stuttgart (2018), erarbeitet Sofie Hoyer ein mögliches Szenario für die Zukunft der Städtischen Bühnen in Frankfurt, das auch die historische Vielschichtigkeit des Gebäudekomplexes reflektiert.
Die Bühnen sind ein wichtiger gesellschaftlicher und architektonischer Zeitzeuge Frankfurts, doch heute wirkt der gewaltige Baukörper verschlossen und lässt das innere Resultat der hundertjährigen Umbaugeschichte erahnen: eine intakte Doppelbühne umringt von verschachtelten Räumen und labyrinthischen Korridoren. Der Entwurf versucht, die unsichtbaren Zeitschichten freizulegen und durch eine räumliche Neuordnung – neben den klassischen Theaterbesuchern – die breite Stadtöffentlichkeit in das Gebäude zu führen. Der Willy-Brandt-Platz dient als Auftakt für eine großzügige Erdgeschosszone mit Ticketverkauf, Shops, Restaurants und Cafés. Unterhalb des Wolkenfoyers verknüpft eine neu geschaffene Promenade durch das Bauwerk die Bühnen mit den Kammerspielen. So entsteht eine Zurschaustellung der Kulturmaschine – mit Schauwerkstätten, Wechselausstellungen, Blicke hinter die Kulissen und neuen flexiblen Spielorten entlang den nun sichtbaren historischen Fragmenten des Baus von 1902. Im Stadtraum entsteht vor der historischen Kulisse der ebenfalls freigelegten Westfassade eine Außenbühne, welche dem Auftakt der Wallanlage eine neue Bedeutung gibt.
1902 eröffnete am damaligen Theaterplatz in Frankfurt das Schauspielhaus. Gegen Ende des zweiten Weltkrieges, wurde es durch die Bombenangriffe der Alliierten teilweise zerstört. Die Stadt Frankfurt beauftrage daher 1949 Otto Apel mit dem Wiederaufbau des Hauses. Apel baute das Schauspielhaus zunächst zu einem Opernhaus um. 1955 wurde schließlich eine Theater-Doppelanlage errichtet, in der Oper und Schauspiel an einem Ort zusammengelegt wurden.
Im Zuge des Umbaus wurde die Hauptfassade mit dem vorgelagerten Portikus des alten Schauspielhauses abgerissen. Große Teile der historischen Fassade blieben jedoch erhalten. Als großmaßstäblich ordnende Geste erhielten die beiden Bühnen ein gemeinsames Foyer: Eine 120 Meter lange Schaufront, das Wolkenfoyer.
Bei sämtlichen Umbaumaßnahmen hatte man nichts großflächig abgerissen. Alle Relikte wurden erhalten, um den laufenden Betrieb nicht stärker zu beeinflussen als notwendig. Daher befindet sich zwischen den Baukörpern von Schauspiel und Oper ein dichtes und unübersichtliches Konglomerat von Werkstätten, Probe- und Lagerräumen aus unterschiedlichen Bauzeiten.
Gegenwärtig ist die Theater-Doppelanlage sanierungsbedürftig – über Abriss und Neubau oder Sanierung wird öffentlich und nahezu täglich diskutiert.
Die Bühnen müssen gerettet werden, da sie ein wichtiger Zeitzeuge Frankfurts sind. Außerdem prägen Teile des Gebäudes, etwa das Wolkenfoyer, das Stadtbild.
Bei der Erhaltung des Gebäudes sollte jedoch nicht nur Altes bewahrt werden. Die Sanierungsbedürftigkeit des Gebäudes sollte als Anlass genommen werden, die Anlage besser in die Stadtgesellschaft zu integrieren.
Aktuell wirkt das öffentliche Gebäude nicht öffentlich, da der Eingangsbereich zur Stadt hin verschlossen ist und die Häuser getrennt betreten werden. Der Ort sollte außerdem übersichtlicher werden. Noch leidet die Anlage unter den zahlreichen und teilweise gegensätzlichen Umbaumaßnahmen der letzten 100 Jahre. Die Erschließung im Foyer ist in beiden Häusern wirr und umständlich und ist über Treppen bestimmt.
Wesentliches Ziel des Entwurfs ist es, die Charakteristika des gewachsenen, 100 jährigen Grundrisses zu ordnen und erkennbar zu machen. Durch die gewonnene Ordnung werden die verschiedenen Zeitschichten wieder sichtbar. Es ist jedoch auch klar, dass die Rettung präzise und so einfach wie möglich sein muss, um dem Bau am Leben zu halten und keine unverhältnismäßigen Kosten zu erzeugen.
Ich habe daher eine Methode gewählt, die versucht nur die problematischen Teile zu entfernen, beispielsweise die Erschließung. Die charakteristischen Strukturen, wie die Säle der Bühnen sowie Nebenbühnen und Werkstätten, sollen erhalten werden.
Ich habe mich für eine Geste des gemeinsamen Foyers entschieden. Der gesamte Bereich der Nordfassade bildet den Eingang und der Besucher kann über ein großzügiges Foyer das Gebäude betreten. Über die Freitreppe gelangt der klassische Besucher in das wiedervereinte Wolkenfoyer und erst hier verteilt er sich auf die zwei Häuser.
Hinter der Freitreppe beginnt eine neugeschaffene Passage. Eine Passage, die Einblicke in die Theater- und Opernwelt ermöglicht. Hier befinden sich zusätzliche Veranstaltungsorte und Ausstellungsflächen. Die Bühnenwelt eröffnet sich hier den Besuchern. Es entsteht ein gemeinschaftlich genutzter Raum sowohl für Besucher, als auch für Werkstätten. Durch diese neu geschaffene öffentliche Passage wird die Schwelle zum Besucher verringert und die Integration der Anlage in die Stadt wird erhöht. Die beiden Bühnen bilden sich stärker ab und werden ablesbar und trotzdem findet durch die neue Nutzung eine Zusammenführung statt. Ähnlich der Prinzipien der von le Corbusier ́s formulierten „Promenade Architectural“ verdeutlicht der Schnitt eine Bildabfolge, die sich vor dem Auge des schrittweise vorangehenden Betrachters entrollt.
Um die Zeitschichten aufzuzeigen, wird auch die historische Fassade auf der Westseite freigelegt – die aktuelle Fassade wird ihrer Rolle zum öffentlichen Park nicht gerecht. Es entsteht an dieser Stelle eine Freilichtbühne, die die Bühnen auf die Stadt ausweitet. Durch die Freilegung entsteht an Stelle der übrigen Westfassade ein neuer Gebäudeflügel, der sich an die bestehenden Gestaltungselemente anpasst, sich in das Ensemble einfügt und sich der Stadt zeigt.
In dem Entwurf schaffen Vorgefundenes, Entferntes und Neues einen fließenden Raum, der Bühnenwelt und Öffentlichkeit verschmelzen lässt und eine eigenständige Szenografie entwickelt: die Promenade Théâtrale.
Statement von Roland Wäspe, Direktor des Kunstmuseum St.Gallen, April 2020//
Zoltan Kemeny hinter einem Element seiner Raumskulptur im Foyer der Stadtischen Bühnen Frankfurt am Main, Ende Nov. 1963, Foto: Ursula Seitz
Die Raumskulptur von Zoltan Kemeny schwebt auf einer Länge von 116 m an der Decke des Foyers der Städtischen Bühnen Frankfurt. Das Ensemble wurde im November 1963 im Foyer des Gebäudes installiert und bildet zusammen mit der Architektur von Otto Apel, Hannsgeorg Beckert und Gilbert Becker und „Knife‘ s Edge“ von Henry Moore und dem Gemälde „Commedia dell‘ Arte“ von Marc Chagall ein einzigartiges Ensemble der 1960er Jahre. Das Gebäude ist im Zusammenspiel mit der Raumskulptur von Zoltan Kemeny ein architektonisches Monument erster Güte dieser Zeit, in seiner Verbindung mit zeitgenössischer Kunst direkt vergleichbar dem Campus der Universität St.Gallen von Otto Förderer im Dialog mit Arp, Giacometti, Miro, Kemeny, Alicia Penalba u.a. Es ist aus meiner Sicht völlig undenkbar, dieses einzigartige Ensemble der Städtischen Bühnen und Symbolzeichen für die freie Kultur Frankfurts in irgend einer Form zu beeinträchtigen. Niemand käme auf die Idee, Egon Eiermanns Ensemble der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche ersetzen zu wollen. Die Raumskulptur von Zoltan Kemeny ist sein bedeutendstes Werk, dass er unter grösster Kraftanstrengung und bereits gezeichnet von seiner Krebserkrankung realisiert hat. Dieses Hauptwerk der Kunst der 1960er Jahre darf keinesfalls in Mitleidenschaft gezogen werden und verträgt keinen Wechsel in eine andere Architektur. Kemeny war Teilnehmer der documenta 2 und 3 in Kassel und anlässlich der 32. Biennale di Venezia erhielt er 1964 den Grossen Internationalen Preis für Bildhauerei verliehen.
Zoltan Kemeny bei der Montage eines Elements der Raumskulptur im Foyer der Städtischen Bühnen, Franfurt am Main, Ende Nov. 1963 Foto Ursula Seitz, Frankfurt
Der verniedlichende Titel «Wolken» oder «Goldwolken», der vielfach verwendet wird, stammt nicht von Zoltan Kemeny. In den erhaltenen Unterlagen spricht er von einer Raumskulptur oder der Deckenskulptur für die Städtischen Bühnen Frankfurt. Harry Buckwitz, der Generalintendant der Städtischen Bühnen Frankfurt, benennt sie in einem Brief als kosmische Elemente in musischer Ordnung. Im Kondolenzschreiben an Madeleine Kemeny vom 19.6.1965 schreibt Harry Buckwitz: «… Sicher werden Sie in absehbarerer Zeit nach Frankfurt kommen, um eines der bedeutendsten Werke Ihres Mannes, an dem auch Sie so grossen Anteil hatten, nochmals anzusehen.»
Zoltan Kemeny während der Montage der Raumskulptur im Foyer der Städtischen Bühnen, Franfurt am Main, Ende Nov. 1963 Fot: Ursula Seitz, Frankfurt
Den Zeitgenossen war durchaus klar, welch grossartiges Ensemble hier für Frankfurt geschaffen worden war. Es ist dramatisch, das diese Wertschätzung aktuell verloren ist. Auf dem Hintergrund der jüdischen Familien von Madeleine und Zoltan Kemeny ist diese zeitgenössische Indifferenz noch viel unverständlicher. Was es für Madeleine und Zoltan bedeutet haben mag, ein Hauptwerk für das Foyer der Städtischen Bühnen Frankfurt zu realisieren, ist wohl kaum mit Worten zu beschreiben.
Das Kunstmuseum St.Gallen vertritt die Urheberrechte von Zoltan Kemeny und verfügt über einen Teilnachlass, aus dem die hier gezeigten Fotos und die beiden Breife entnommen sind.
Im Gespräch mit FR-Redakteur Claus Jürgen Göpfert legt die Schriftstellerin Katharina Hacker ihr Verständnis von Stadttheater dar und erzählt von ihren Erlebnissen mit den Frankfurter Bühnen als Jugendliche, die in Frankfurt aufgewachsen ist. Hier der link zum Interview:
Hier finden Sie chronologisch geordnet Presseveröffentlichungen rund um die Zukunft der Städtischen Bühnen Frankfurt am Main. Sollten Sie einen Beitrag vermissen, schreiben Sie uns. Wir stellen ihn gerne ein: initiative@zukunft-buehnen-frankfurt.de
Reaktionen zu unserer Stellungnahme „Abbruch statt Aufbruch?“, 1: In einem Artikel zum Stand der Planungen und Debatten zu den Städtischen Bühnen berichtet Rainer Schulze auch ausführlich über die Stellungnahmen der Architects For Future Frankfurt und unserer Initiative zu den Plänen der Stabsstelle; FAZ, 15. Februar 2022 (Paywall)
Das Theater für die StadtEva-Maria Magel berichtet in der FAZ über die 2. Podiumsdiskussion in der Reihe „Welches Theater für welche Stadt?“ vom 17.2.2021; FAZ, 19. Februar 2021
Ein gelungenes kultursoziologisches Experiment In seinem Kommentar zum Interview mit dem Opernintendanten Bernd Loebe beschreibt Alfons Maria Arns die ursprüngliche Intention und erinnert an die Qualitäten des Neben- und Miteinanders von Oper und Schauspiel in der Doppelanlage; FR, 11. Februar 2021
Mit gutem Beispiel voran!In einem Interview in der FAZ nimmt Maren Harnack auch Stellung zur Debatte um die Zukunft der Städtischen Bühnen und fordert, den Bestand ebenso respektvoll wie kreativ weiterzuentwickeln; FAZ, 3. Februar 2021 (Paywall)
Es geht auch andersDie Architekten Till Schneider und Michael Schumacher äußern sich in einem aufschlussreichen Interview auch zur Machbarkeitsstudie zu den Städtischen Bühnen, an deren Validierung Sie federführend beteiligt waren; FAZ, 25. Januar 2021
Als kaum jemand an der Moderne zweifelte Ausführlicher Kommentar von Michael Hierholzer zum geplanten Erhalt des Wolkenfoyers in der FAZ vom 7. Januar 2021 (Paywall)
Gespräche zur Lage der Stadt Der Architekt Christoph Mäckler begrüßt in einem Interview den geplanten Erhalt des Wolkenfoyers, FAZ, 7. Januar 2021 (Paywall)
Hartwig: „Idee der Kulturmeile wird gestärkt“ Bericht von Ronja Merkel über den Denkmalwert der Bühnen und die Debatte um die „Kulturmeile“ im Journal Frankfurt vom 22. Dezember 2020
Streit um das Bühnen-Gebäude In einem Beitrag in DLF Kultur, der vor allem die Vorkommnisse vor dem DAM am 8.12. zum Thema hat, geht Nikolaus Bernau auch auf die „superelegante“ Architektur des Gebäudes der Städtischen Bühnen ein (18. Dezember 2021)
Planungsdezernent Mike Josef und Kulturdezernentin Ina Hartwig (beide SPD) halten die Bewahrung des Städtische-Bühnen-Foyers mitsamt seiner gläsernen Fassade sowie der Wolken-Installation von Zoltán Kemény für unbedingt notwendig. Nachricht in der FAZ vom 2. Dezember 2020
Denkmalschützer möchten keinen Neubau der Städtischen Bühnen. Doch die große Frage lautet, wie lange sich der Spielbetrieb noch aufrechterhalten lässt, ohne dass die Bauaufsicht einschreitet. Kommentar von Rainer Schulze in der FAZ vom 18. November 2020
Städtische Bühnen auf Roter Liste Denkmalpfleger fordern den Erhalt der denkmalgeschützten Teile der Frankfurter Städtischen Bühnen. Bericht im Morgenweb vom 16. November 2020
Denkmalschützer fordern den Erhalt der Theater-Doppelanlage am Frankfurter Willy-Brandt-Platz. Sie haben das Gebäude nun auf eine „Rote Liste“. Bericht in der FAZ vom 16. November 2020
Grüne fordern Tanz-Sparte Interview mit Sebastian Popp, kulturpolitischer Sprecher der Grünen, mit Claus-Jürgen Göpfert, erschienen am 4. August in der Frankfurter Rundschau
Die Architektur des Schauspiel- und Opernhauses in Frankfurt signalisiert Transparenz. Weil technisch aber veraltet, soll der Bau weg. Von Shirin Sojitrawalla, erschienen in der taz vom 30. Juni 2020
Es ist still geworden um den Tanz in Frankfurt. Sollte Jacopo Godani mit seiner Dance Company nach drei Monaten der Absenz nicht so vor das Publikum treten, dass dahinter ein überraschendes Konzept erkennbar wird? Von Wiebke Hüster, erschienen am 17. Juni 2020 in der FAZ
Die Stadträte Ina Hartwig und Mike Josef planen eine Kulturmeile an den Frankfurter Wallanlagen. Herzstück könnten zwei Neubauten der Städtischen Bühnen werden. Von Matthias Alexander und Michael Hierholzer, erschienen in der FAZ vom 10. Juni 2020
Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig zur Diskussion über das womöglich denkmalwürdige Wolkenfoyer der Theaterdoppelanlage – im Gespräch mit Claus-Jürgen Göpfert in der Frankfurter Rundschau vom 6. Juni 2020
Dreierlei halb Kommentar von Christian Thomas in der Frankfurter Rundschau vom 24. Mai 2020
„Ich gehe davon aus, dass die Summe von 900 Millionen Euro, die für den Neubau der Städtischen Bühnen Frankfurt angesetzt ist, deutlich zu hoch ist“, sagt der Architekt Roland Burgard im Gespräch mit SWR 2, der in den 1970er und 1980er Jahren im Hochbauamt maßgeblich an der Planung des Frankfurter Museumsufers beteiligt war.
Das Landesdenkmalamt hat entschieden, dass ein Teil von Frankfurts Theater-Doppelanlage unter Denkmalschutz gestellt werden soll. Wartet auf die Städtischen Bühnen doch noch ein gutes Ende? Von Niklas Maak, erschienen am 23. Mai 2020 in der FAZ
Micha Brumlik plädiert für einen besonnenen und liebevollen Umgang mit der Frankfurter Theaterdoppelanlage – und könnte sich eine repräsentative Umfrage in der Bevölkerung vorstellen, Interview erchienen in der Frankfurter Rundschau am 6. Mai 2020
„Bei Liebesszenen lassen wir uns was einfallen“ Schauspielhaus-Intendant Anselm Weber im Gespräch mit Claus-Jürgen Göpfert über Theater während der Corona-Krise und die Zukunft der Städtischen Bühnen in Frankfurt, erschienen am 7. Mai 2020 in der Frankfurter Rundschau
Öffnet die Visiere Von Christian Holl, erschienen am 4. Mai 2020 auf Marlowes
Die Schriftstellerin und Theaterenthusiastin Katharina Hacker plädiert für den Erhalt der vom Abriss bedrohten Frankfurter Theaterdoppelanlage. Interview mit Claus-Jürgen Göpfert, erschienen am 22. April 2020 in der Frankfurter Rundschau
Architekt Jürgen Engel von KSP Jürgen Engel Architekten im Interview mit Claus-Jürgen Göpfert, erschienen am 13. April 2020 in der Frankfurter Rundschau
Der Architekt und Theaterenthusiast Jochem Jourdan nennt Motive und Argumente für die Rettung der historischen Theaterdoppelanlage im Zentrum Frankfurts. Im Interview mit Claus-Jürgen Göpfert, erschienen am 3. April 2020 in der Frankfurter Rundschau
Noch hat Frankfurt das Image einer weltoffenen Stadt mit vielfältiger Kultur. Nicht nur die Paulskirche, auch die Rolle als Vorzeigestadt der Moderne ist Teil dieser Identität: In den 1920er Jahren das Neue Frankfurt, eine international gefeierte Modellstadt der sozialen Stadtplanung, nach dem Zweiten Weltkrieg das in der Architektur des Wiederaufbaus manifestierte Bekenntnis zum demokratischen Neuanfang in der Metropole des Wirtschaftswunders. Doch dieses Image ist bereits ausgehöhlt. Von Sandra Pappe, erschienen auf Marlowes, 17. März 2020
In Frankfurt hat eine Initiative um zwei Architekten eine Petition vorgestellt, die unter anderem das Wolkenfoyer am Willy-Brandt-Platz erhalten soll. Sie hat mehr als 400 Erstunterzeichner. Von Florian Leclerc, erschienen am 9. März 2020 in der Frankfurter Rundschau
Nicht nur das Baurecht, auch geltungssüchtige Intendanten und Politiker sind schuld daran, dass Bühnensanierungen hierzulande so teuer sind. Von Falk Jaeger, erschienen am 16. Februar 2020 im Tagesspiegel
Stadtsoziologin Carola Scholz (Grüne) will eine längere Lebenszeit für Frankfurts Städtische Bühnen und mehr Ökologie beim Bauen – etwa durch Recycling-Beton. Von Claus-Jürgen Göpfert, erschienen am 14. Februar 2020 in der Frankfurter Rundschau
„Das Bühnengebäude ist am Ende“ Michael Guntersdorf, Chef der städtischen Stabsstelle, im Interview mit Claus-Jürgen Göpfert, erschienen am 11. Februar 2020 in der Frankfurter Rundschau
Warum es falsch und teuer ist, die Städtischen Bühnen in Frankfurt am Main abzureißen. Kommentar von Laura Weissmüller, erschienen am 6. Februar 2020 in der Süddeutsche Zeitung
Grünen-Fraktionschef Sebastian Popp kann sich beim Bühnen-Neubau einen Eingriff in die Wallanlagen vorstellen, wie er im Interview mit Claus-Jürgen Göpfert und Florian Leclerc sagt, erschienen am 29. Januar 2020 in der Frankfurter Rundschau
Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) zum CDU-Konzept vom Theater am Osthafen in Frankfurt. Im Interview mit Claus-Jürgen Göpfert, erschienen am 26. Januar 2020 in der Frankfurter Rundschau
„Auch Linke fordern Neubau“ Von Claus-Jürgen Göpfert, erschienen am 24. Januar 2020 in der Frankfurter Rundschau
Mit 874 Millionen Euro rechnet die Stadt Frankfurt für den Neubau von Theater und Oper. Es ist gut, wenn sich eine Gesellschaft ihre Kulturbauten viel kosten lässt. Aber wie viel Techno-Luxus muss wirklich sein? Von Niklas Maak, erschienen in der F.A.Z. am 23. Januar 2020
Theater ist mehr als ein Spiel. Es ist immer auch ein Spiegel gesellschaftlicher Verhältnisse und Auslöser politischer Debatten. Dementsprechend ist auch das Theatergebäude mehr als „nur“ eine Spielstätte. Seit der Zeit der Aufklärung – als auch in Frankfurt das erste Theater der Stadt eröffnet wurde (1782) – dienen Theaterbauten als öffentliche Foren, auf denen die Bürger sich treffen und austauschen, debattieren und auch streiten, über das Schauspiel, die Musik und die Kunst, über politische, gesellschaftliche und viele andere Themen. Das Theater ist daher immer zentraler Bestandteil des städtischen Lebens, und nur wenige Theaterbauten bringen diesen Anspruch so überzeugend zum Ausdruck wie das 1963 eingeweihte Gebäude der Frankfurter Bühnen: durch seine zentrale Lage, seine offene Gestaltung und seine Bedeutung für die städtische Geschichte.
Im Zentrum der Stadt
Seine zentrale Lage verdankt das Gebäude dem Entschluss der Stadtväter des ausgehenden 19. Jahrhunderts, am Standort des heutigen Willy-Brandt-Platzes ein neues Schauspielhaus zu errichten. Der Neubau sollte das zu klein gewordene Theater von 1782, das „Comödienhaus“ am heutigen Rathenauplatz, ersetzen. Man entschied sich damit für den vielleicht prominentesten Ort der Stadt: für jene Stelle, an der die Achse zwischen Römerberg und Hauptbahnhof den Grünzug der Wallanlagen schneidet. So bildet der monumentale, 1902 eingeweihte Neubau des Schauspielhauses ein Pendant zu dem zwei Jahrzehnte zuvor errichteten Operngebäude an der Nordwestecke der Wallanlagen. Während des Kriegs schwer beschädigt, wurde das Schauspielhaus ab 1949 von einer Bürogemeinschaft unter Leitung von Otto Apel wiederaufgebaut – nun allerdings als Opernhaus. Wesentliche Teile des alten Theaters, so auch die Ränge des Zuschauerraums, blieben dabei erhalten. Vollständig neu errichtet wurde vor allem das Bühnenhaus mit der damals größten Drehbühne Europas. Während die Oper damit schon bald nach Kriegsende eine eigene Spielstätte beziehen konnte, musste das Schauspiel vorerst noch mit verschiedenen Provisorien Vorlieb nehmen. Erst 1958 fiel die Entscheidung, neben der Oper ein neues Schauspielhaus zu errichten, wodurch der Theaterkomplex seine heutige Gestalt erhielt. Damit kehrte man gleichsam zu den Anfängen zurück, da bereits das „Comödienhaus“ sowohl dem Sprech- als auch dem Musiktheater eine Spielstätte geboten hatte.
Ein offenes Foyer
Den Auftrag für den zwischen 1959 und 1963 realisierten Neubau der Doppelanlage erhielt das Büro von Otto Apel (seit 1961 ABB: Otto Apel, Hannsgeorg Beckert, Gilbert Becker). Die Architekten errichteten ein Schauspielhaus, das seinerzeit, ähnlich wie zehn Jahre zuvor auch die Opernbühne, den höchsten technischen Ansprüchen genügte. Davon ist allerdings nicht mehr viel erhalten: Nach dem schweren Opernbrand 1987 wurde zunächst das Opernhaus und anschließend, 1991/92, auch das Schauspielhaus umfassend erneuert. Der Zuschauerraum des Schauspiels ist in seinem aktuellen Zustand ebenso das Resultat dieser Baumaßnahmen wie viele weitere, mal mehr, oft weniger passende Einbauten und Eingriffe im Geiste der Postmoderne. In seiner ursprünglichen Struktur und Wirkung weitgehend erhalten blieb glücklicherweise das zweite Hauptelement der 1963 eingeweihten Doppelanlage: das in seiner Gestalt und Aussage zeitlose Foyer. Dieses bildet zum Platz hin eine 120m lange Schaufront aus, die die beiden Häuser von Oper und Schauspiel verklammert. Das Foyer zeigt sich innen wie außen von einer nüchternen, unaufdringlichen Eleganz, geprägt durch eine stringente Gliederung, zu der die Goldwolken Keménys einen Kontrapunkt setzen. Dieses Bauwerk will nicht auftrumpfen, sich nicht selbst ausstellen, sondern, ganz im Gegenteil, vermitteln. Durch sein Ausgreifen in den Platzraum und die Transparenz seiner Außenwände überlagern und verschränken sich die Sphären der Spielstätten und der Stadt. Geht man durch das Innere des Foyers, so zieht es den Blick nach draußen, präsentiert sich die Stadt als Bühne. Steht man vor dem Bau, vor allem abends, wird der Blick unweigerlich hineingezogen, wird das beleuchtete Foyer zur Bühne, auf der die Diskussionen der Besucherinnen und Besucher als wesentlicher Bestandteil des Theaters inszeniert werden.
Zeugnis städtischer Geschichte – Symbol für eine neue Zeit
Das offene Foyer soll aber nicht nur einladend wirken, nicht nur Blicke anziehen und Neugier wecken. Weit mehr als das: Als Schauseite eines wichtigen öffentlichen Gebäudes im Herzen einer Stadt, die auch um 1960 noch vielerorts vom Krieg gezeichnet war, hatte der Bau auch eine Symbolfunktion. In seiner offenen, filigranen und trotz seiner Größe gerade nicht überwältigenden Gestalt bildet das Gebäude – ähnlich wie viele andere öffentliche Bauten der jungen Bundesrepublik – ein Gegenmodell zur massiven, überdimensionierten Einschüchterungsarchitektur der NS-Zeit. Auf diese Weise verkörpert es den kulturellen, politischen und gesellschaftlichen Aufbruch eines sich neu erfindenden Landes und seiner heimlichen Hauptstadt. Dies gilt umso mehr, als das Bühnengebäude vielleicht das einzige, vor allem aber das wichtigste öffentliche Bauvorhaben jener Zeit im Stadtzentrum war, das diesen Neubeginn veranschaulichen konnte und sollte. Repräsentierte der wiederaufgebaute Römer die stolze, jahrhundertealte Geschichte kommunaler Selbstbestimmung, so stand das neu errichtete Bühnengebäude für eine neue Ära bürgerlicher Mitbestimmung, gesellschaftlicher Offenheit und künstlerischer Freiheit.
Das Gebäude ist daher nicht nur ein Ort, an dem Theatergeschichte geschrieben wurde, sondern auch ein Denkmal, das wie kein zweites für eine grundlegende, aber zunehmend aus dem Stadtbild getilgte Epoche der städtischen Geschichte steht. Nicht zuletzt ist es ein Sinnbild für Ideale und Werte, die nach wie vor das Fundament unseres Gemeinwesens bilden und für die es gerade in diesen politischen Zeiten mehr denn je einzustehen gilt. Der – wenigstens partielle – Erhalt des Bühnengebäudes wäre daher ebenso ein Zeichen eines verantwortungsvollen Umgangs mit der Geschichte wie auch ein Signal für eine bescheidenere, nachhaltigere Baupolitik der Zukunft.
Im Januar beschloss die Frankfurter Stadtverordnetenversammlung, für die städtischen Bühnen einen Neubau zu errichten und das bestehende Gebäude aufzugeben. Zu dieser umstrittenen Entscheidung kam es nach einem neun Jahre langen Prüfprozess, in dem zwar bautechnische Fragen intensiv untersucht worden sind, bei dem aber die Frage nach der zukünftigen Theaterkonzeption und dem Denkmalschutz weitestgehend vernachlässigt wurden.
Nachdem immer wieder neue Sanierungsmaßnahmen an der Theaterdoppelanlage von ABB Architekten von 1963 erforderlich wurden, forderte im Sommer 2011 das Revisionsamt der Stadt Frankfurt am Main zur Beendung des fortgesetzten Stückwerks ein Gesamtsanierungskonzept, welches 2013 dann auch in Auftrag gegeben wurde. Ein Planerkonsortium unter der Leitung von BMP Baumanagement GmbH Köln unter Beteiligung des Architekturbüros PFP (Jörg Friedrich Hamburg) erstellte in den Jahren 2014 – 2017 für € 6,5 Mio. diese Machbarkeitsstudie.
Als sich bereits im Sommer 2016 eine Verdreifachung der ursprünglich auf € 130 Mio. geschätzten Kosten andeutete, brachten Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) und Bürgermeister Uwe Becker (CDU) erstmals die Möglichkeit eines Neubaus ins Spiel. Das fertige Gutachten bezifferte die Kosten für Sanierung oder Neubau dann sogar auf 850 – 890 Mio. €, die Kosten für die Interimsspielstätten je nach Variante auf 20 – 70 Mio. €.
Der ehemalige Baudezernent Hans-Erhard Haverkampf (SPD) widersprach wenige Wochen nach Veröffentlichung den Aussagen des Gutachtens und hielt eine Sanierung im Rahmen der einst von der Kämmerei geschätzten Kosten für möglich, wie er in einer 27-seitigen Expertise darlegte. Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) suchte nun nach Einsparmöglichkeiten, während sich Baudezernent Jan Schneider (CDU), um u.a. die Interimskosten zu sparen, für die Option eines Neubaus an anderem Standort aussprach, die auch vom Regionalteil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung propagiert wurde.
Im April 2018 beauftragte die Stadtverordnetenversammlung den Magistrat mit weiteren Untersuchungen, der hierfür im Oktober 2018 eine Stabsstelle einrichtete. Ergänzend zu einer Fortsetzung der Beauftragung von Autoren der Machbarkeitsstudie wurde im Frühjahr 2019 ein Evaluierungsteam beauftragt. Am 23.1.2020 stellte Kulturdezernentin Ina Hartwig eine kurze Zusammenfassung der Ergebnisse der Presse vor. Neben Sanierung bzw. Neubau am bisherigen Standort war nun auch die Option eines Neubaus an anderem Standort untersucht worden. Trotz Verzicht auf einige von Hans-Erhard Haverkampf als unnötig kritisierten kostentreibenden Vorgaben sah man nun bei allen Varianten Kosten von 810 – 920 Mio. € als gegeben an, wobei eine Sanierung des Bestandes mit den höchsten Kosten verbunden sei. Anders als 2017 wurden die Gutachten aber diesmal nicht veröffentlicht. Bereits eine Woche später entschied sich die Stadtverordnetenversammlung gegen eine Sanierung des bestehenden Theaterbaus und legte sich auf einen Neubau fest. Wo dieser realisiert werden sollte, ist allerdings bislang völlig offen. Die CDU präferiert einen Neubau am Osthafen auf dem Betriebsgelände von Raab Karcher, SPD und Grüne hingegen einen Opernneubau in der Wallanlage gegenüber den heutigen Städtischen Bühnen und einen Neubau des Schauspielhauses am alten Standort. Im Gespräch als mögliche Standorte sind auch die Wallanlage gegenüber der Alten Oper sowie der Kulturcampus an der Bockenheimer Warte.
Die Initiatoren dieser Website kritisierten Anfang März den Beschluss der Stadtverordnetenversammlung und plädierten dafür, das Wolkenfoyer und nach Möglichkeit auch Bühne und Zuschauerraum der Oper zu erhalten. Dies wäre etwa im Rahmen eines Teilabrisses und -neubaus möglich.
Ende März 2020 verkündete Oberbürgermeister Peter Feldmann angesichts der Kosten der Corona-Pandemie die Verzögerung der Investitionsentscheidung, die etwa ein Viertel des jährlichen Budgets der Stadt Frankfurt erfordern würde: „Zuerst muss die Stadt wieder auf die Beine kommen.“