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Die Bühne der Stadt

// von Sascha Köhl und Helene Bihlmaier //

Das Foyer der Städtischen Bühnen in den 1960er Jahren. Aufnahme von Ulfert Beckert © Jens und Sven Beckert

Theater ist mehr als ein Spiel. Es ist immer auch ein Spiegel gesellschaftlicher Verhältnisse und Auslöser politischer Debatten. Dementsprechend ist auch das Theatergebäude mehr als „nur“ eine Spielstätte. Seit der Zeit der Aufklärung – als auch in Frankfurt das erste Theater der Stadt eröffnet wurde (1782) – dienen Theaterbauten als öffentliche Foren, auf denen die Bürger sich treffen und austauschen, debattieren und auch streiten, über das Schauspiel, die Musik und die Kunst, über politische, gesellschaftliche und viele andere Themen. Das Theater ist daher immer zentraler Bestandteil des städtischen Lebens, und nur wenige Theaterbauten bringen diesen Anspruch so überzeugend zum Ausdruck wie das 1963 eingeweihte Gebäude der Frankfurter Bühnen: durch seine zentrale Lage, seine offene Gestaltung und seine Bedeutung für die städtische Geschichte.  

Im Zentrum der Stadt

Seine zentrale Lage verdankt das Gebäude dem Entschluss der Stadtväter des ausgehenden 19. Jahrhunderts, am Standort des heutigen Willy-Brandt-Platzes ein neues Schauspielhaus zu errichten. Der Neubau sollte das zu klein gewordene Theater von 1782, das „Comödienhaus“ am heutigen Rathenauplatz, ersetzen. Man entschied sich damit für den vielleicht prominentesten Ort der Stadt: für jene Stelle, an der die Achse zwischen Römerberg und Hauptbahnhof den Grünzug der Wallanlagen schneidet. So bildet der monumentale, 1902 eingeweihte Neubau des Schauspielhauses ein Pendant zu dem zwei Jahrzehnte zuvor errichteten Operngebäude an der Nordwestecke der Wallanlagen. Während des Kriegs schwer beschädigt, wurde das Schauspielhaus ab 1949 von einer Bürogemeinschaft unter Leitung von Otto Apel wiederaufgebaut – nun allerdings als Opernhaus. Wesentliche Teile des alten Theaters, so auch die Ränge des Zuschauerraums, blieben dabei erhalten. Vollständig neu errichtet wurde vor allem das Bühnenhaus mit der damals größten Drehbühne Europas. Während die Oper damit schon bald nach Kriegsende eine eigene Spielstätte beziehen konnte, musste das Schauspiel vorerst noch mit verschiedenen Provisorien Vorlieb nehmen. Erst 1958 fiel die Entscheidung, neben der Oper ein neues Schauspielhaus zu errichten, wodurch der Theaterkomplex seine heutige Gestalt erhielt. Damit kehrte man gleichsam zu den Anfängen zurück, da bereits das „Comödienhaus“ sowohl dem Sprech- als auch dem Musiktheater eine Spielstätte geboten hatte.

Ein offenes Foyer

Den Auftrag für den zwischen 1959 und 1963 realisierten Neubau der Doppelanlage erhielt das Büro von Otto Apel (seit 1961 ABB: Otto Apel, Hannsgeorg Beckert, Gilbert Becker). Die Architekten errichteten ein Schauspielhaus, das seinerzeit, ähnlich wie zehn Jahre zuvor auch die Opernbühne, den höchsten technischen Ansprüchen genügte. Davon ist allerdings nicht mehr viel erhalten: Nach dem schweren Opernbrand 1987 wurde zunächst das Opernhaus und anschließend, 1991/92, auch das Schauspielhaus umfassend erneuert. Der Zuschauerraum des Schauspiels ist in seinem aktuellen Zustand ebenso das Resultat dieser Baumaßnahmen wie viele weitere, mal mehr, oft weniger passende Einbauten und Eingriffe im Geiste der Postmoderne. In seiner ursprünglichen Struktur und Wirkung weitgehend erhalten blieb glücklicherweise das zweite Hauptelement der 1963 eingeweihten Doppelanlage: das in seiner Gestalt und Aussage zeitlose Foyer. Dieses bildet zum Platz hin eine 120m lange Schaufront aus, die die beiden Häuser von Oper und Schauspiel verklammert. Das Foyer zeigt sich innen wie außen von einer nüchternen, unaufdringlichen Eleganz, geprägt durch eine stringente Gliederung, zu der die Goldwolken Keménys einen Kontrapunkt setzen. Dieses Bauwerk will nicht auftrumpfen, sich nicht selbst ausstellen, sondern, ganz im Gegenteil, vermitteln. Durch sein Ausgreifen in den Platzraum und die Transparenz seiner Außenwände überlagern und verschränken sich die Sphären der Spielstätten und der Stadt. Geht man durch das Innere des Foyers, so zieht es den Blick nach draußen, präsentiert sich die Stadt als Bühne. Steht man vor dem Bau, vor allem abends, wird der Blick unweigerlich hineingezogen, wird das beleuchtete Foyer zur Bühne, auf der die Diskussionen der Besucherinnen und Besucher als wesentlicher Bestandteil des Theaters inszeniert werden.

Das Foyer ist ein „königlicher Boulevard, der das Opernhaus mit dem Schauspielhaus zusammenfügt“, eine „glückliche Synthese zwischen gesellschaftlicher Repräsentanz und musischer Einstimmung.“ (Harry Buckwitz) Aufnahme von Ulfert Beckert. © Jens und Sven Beckert

Zeugnis städtischer Geschichte – Symbol für eine neue Zeit

Das offene Foyer soll aber nicht nur einladend wirken, nicht nur Blicke anziehen und Neugier wecken. Weit mehr als das: Als Schauseite eines wichtigen öffentlichen Gebäudes im Herzen einer Stadt, die auch um 1960 noch vielerorts vom Krieg gezeichnet war, hatte der Bau auch eine Symbolfunktion. In seiner offenen, filigranen und trotz seiner Größe gerade nicht überwältigenden Gestalt bildet das Gebäude – ähnlich wie viele andere öffentliche Bauten der jungen Bundesrepublik – ein Gegenmodell zur massiven, überdimensionierten Einschüchterungsarchitektur der NS-Zeit. Auf diese Weise verkörpert es den kulturellen, politischen und gesellschaftlichen Aufbruch eines sich neu erfindenden Landes und seiner heimlichen Hauptstadt. Dies gilt umso mehr, als das Bühnengebäude vielleicht das einzige, vor allem aber das wichtigste öffentliche Bauvorhaben jener Zeit im Stadtzentrum war, das diesen Neubeginn veranschaulichen konnte und sollte. Repräsentierte der wiederaufgebaute Römer die stolze, jahrhundertealte Geschichte kommunaler Selbstbestimmung, so stand das neu errichtete Bühnengebäude für eine neue Ära bürgerlicher Mitbestimmung, gesellschaftlicher Offenheit und künstlerischer Freiheit. 

Das Gebäude ist daher nicht nur ein Ort, an dem Theatergeschichte geschrieben wurde, sondern auch ein Denkmal, das wie kein zweites für eine grundlegende, aber zunehmend aus dem Stadtbild getilgte Epoche der städtischen Geschichte steht. Nicht zuletzt ist es ein Sinnbild für Ideale und Werte, die nach wie vor das Fundament unseres Gemeinwesens bilden und für die es gerade in diesen politischen Zeiten mehr denn je einzustehen gilt. Der – wenigstens partielle – Erhalt des Bühnengebäudes wäre daher ebenso ein Zeichen eines verantwortungsvollen Umgangs mit der Geschichte wie auch ein Signal für eine bescheidenere, nachhaltigere Baupolitik der Zukunft.

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Wolken retten! „Blechbichsen“ und andere Kunstobjekte

von Alfons Maria Arns

Foto: Trebor (Horst Robert Kratzmann)
Foto: Trebor (Horst Robert Kratzmann)

Integraler Bestandteil der 1963 eröffneten Theaterdoppelanlage sind jene drei Kunstwerke namhafter Künstler, die im Zusammenhang mit dem Neubau als „Kunst am Bau“-Projekte von der Stadt Frankfurt in Auftrag gegeben wurden: die Wolken (1963) des ungarischstämmigen Künstlers Zoltán Kemény (1907-1965), das Großgemälde Commedia dell’arte (1958/59) von dem Maler und Grafiker Marc Chagall (1887-1985) und schließlich die Bronzeskulptur Standing Figure: Knife Edge des englischen Bildhauers und Zeichners Henry Moore (1898-1986).

Während die riesige Deckenskulptur Wolken mit ihrem illusionistischen sphärischen Schweben im scharfen Kontrast das nüchterne Foyer ausfüllt, wirkt das ungemein farbige zirkusartige Welttheatergemälde Commedia dell’arte, im Saal zwischen Theater und Oper platziert, wie ein Bühnenbild, das einen Vorschein dessen gibt, was auf der Bühne passiert. Die Bronzeskulptur Knife Edge dagegen nimmt direkten Bezug auf einen stehenden menschlichen, spiralartig verdrehten Körper; jenes „Material“, das auf der Bühne von Sprech- und Musiktheater erst noch der Formung bedarf.

Einen ersten Eindruck dieser „Kunst im Bau“ vermittelt die zur Eröffnung erschienene, vom damaligen Amt für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung der Stadt Frankfurt am Main herausgegebene Broschüre Zoltan Kemeny Deckenskulptur im Frankfurter Theaterfoyer (mit Fotos von Trebor, d.i. der Fotograf Horst Robert Kratzmann und Essays von dem Architekten Hannsgeorg Beckert, dem damaligen Generalintendanten Harry Buckwitz, dem Künstler Z. Kemeny und dem Kunsthändler und damaligen Direktor des Frankfurter Kunstvereins Dr. Ewald Rathke).

Die Broschüre zeigt eindringlich, dass mit dem geplanten Abriss nicht nur die Architektur, sondern auch die Kunstobjekte selbst und ihr angestammter Platz bedroht sind.

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Wieso von einem Provisorium die Zukunft abhängt

Entwurf für ein Theaterinterim auf dem Goetheplatz von der Studierenden Patrcia Majuf, Universität Kassel

Von Philipp Oswalt// Ob als Sanierung oder Neubau – der Verbleib der städtischen Bühnen an ihrem jetzigen Standort erfordert Interimsspielstätten, weil auch eine Sanierung im laufenden Betrieb nicht möglich ist. Und die Frage des Interims spielt gegenwärtig eine maßgebliche strategische Rolle bei der Frankfurter Theaterdiskussion. Das liegt an seinen Kosten. Nach Aussagen der Stabsstelle Städtische Bühnen von Februar 2020 kostet ein Theaterinterim 27,5 Mio. €, ein Operninterim 69,9 Mio. €. Aufgrund dieser Kosten wollen einhellig alle Kulturpolitiker– bei sonst divergierenden Ideen – ein Operninterim vermeiden, was den Umzug der Oper an einen neuen Standort erzwingt. Doch stellt sich die Frage: Ist dies wirklich schlüssig?

Schon ein erster Blick verrät, dass hier von absurden Voraussetzungen ausgegangen wird. Die Opernintendanz wünscht sich, dass sie im Interim die Bühnenbilder des gegenwärtigen Repertoires weiternutzen kann. Dafür ist aber eine Drehbühne mit einem Durchmesser von 38,5 Metern erforderlich. Nach Aussagen von Fachleuten hat es bislang weltweit noch nie ein Interim mit Drehbühne gegeben. Viele Opernhäuser wurden aber in den letzten Jahren und Jahrzehnten saniert, eben ohne solche aufwändigen Lösungen und damit zu geringeren Kosten.

Daher sind die Annahmen für mehrjährige Interimszeiten zu hinterfragen. Ein Operninterim wird finanziell vertretbar und auch möglich, wenn nicht derartige Maximalforderungen diskussionslos gesetzt sind, sondern ein Interim auch als eine Chance begriffen wird, Oper einmal anders zu denken, an anderen Spielorten und in anderen Spielweisen, nicht als Repertoirebetrieb, sondern im En-suite-Betrieb usw. Dies ist das eine. Das andere sind die möglichen Spielorte. Hier sind prinzipiell mehrere Ansätze denkbar: Neubau, Umnutzung oder Nachnutzung. Bei letzterem würde das Bauwerk für das Interim entweder am gleichen Ort für eine andere, folgende und permanente Nutzung weiterverwendet, so dass sich der investive Aufwand rechtfertigt. Oder aber es ist ein ab- und wiederaufbaubares Bauwerk, welches andernorts für ähnliche Zwecke weitergenutzt werden kann wie z.B. bei der Opéra des Nations des Grand Théâtre in Genf, welche das in Holzbauweise ausgeführte Interim der Comédie- Française Paris von 2012/2013 ab 2016 weiternutzte. (siehe hierzu etwa: https://www.espazium.ch/de/aktuelles/das-opern-provisorium-genf-ein-instrument-aus-holz). Bei 60% auswärtigen Zuschauern wäre es zudem auch angemessen, Schauspiele und Oper nicht lokal, sondern regional zu begreifen und auch Ersatzspielstätten z.B. in Darmstadt in Betracht zu ziehen.

Mehre Studienprojekte befassten sich damit, wie für die Sanierung der Städtischen Bühnen Frankfurt eine Interimslösung konzipiert werden könnte. Im Wintersemester 2017/18 entwarfen Studierende der Universität Kassel ein Schauspielinterim für den Goetheplatz. Weitere Infos finden Sie hier im download.

Im Oktober 2019 entwarfen Studierende der AAC Academy for Architectural Culture Hamburg ein Operninterim an der Bockenheimer Warte. Weitere Infos finden Sie mit diesem link: www.aac-hamburg.de/forschung/kulturelle-bauten/details/workshop-1578-designs-for-an-interim-venue-of-the-frankfurt-opera.html

Welches Theater für welche Stadt?

„Was für ein Theater will diese Stadt?“ Dieser Frage widmet sich Nikolaus Müller-Schöll, Professor für Theaterwissenschaft an der Goethe-Universität und Mitinitiator der Petition „Zukunft Städtische Bühnen Frankfurt“, in einem Beitrag in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Theater Heute“ (Heft 3, 2021, S. 26-31). Denn nach den Kommunalwahlen in diesem Monat könnte, so Müller-Schöll, „die Diskussion, vielleicht, sollten sich die Mehrheitsverhältnisse ändern, mit gänzlich neuen Akteuren, noch einmal von vorn beginnen. Was eine Jahrhundertchance eröffnen könnte: Endlich könnte nun die Frage danach öffentlich diskutiert werden, was diese Stadt denn von ihrem Stadttheater im 21. Jahrhundert will und wie das dafür angemessene Haus aussehen muss, die wichtigste, die eigentliche, der Kern: Hat man die vielschichtige, mit harten Bandagen und offenen wie gut versteckten Interessen geführte Architekturdebatte zergliedert, stößt man darunter auf die nicht minder vielschichtige Institutionsdebatte. Hinter ihr verbirgt sich die Frage nach der Funktion des Theaters in der Stadt. Und damit verbunden ist nicht zuletzt die Frage, welches Theater für welche Art von Stadt steht? Über sie müsste gestritten werden.“

Den gesamten Text des Artikels erhalten Sie (kostenpflichtig) auf der Webseite des Theaterverlags:

https://www.der-theaterverlag.de/theater-heute/aktuelles-heft/artikel/welches-theater-fuer-welche-stadt/

Wer sagt hier eigentlich die Unwahrheit?

Philipp Oswalt

In dem Artikel Hafenoper versenkt in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 27. Januar 2021 behauptete der Redakteur Matthias Alexander, dass es Philipp Oswalt als Vertreter der Initiative Zukunft Bühnen Frankfurt „– auch unter Vorspiegelung alternativer Fakten– gelungen war, alle möglichen Institutionen, die sich in Fragen des Denkmalschutzes für kompetent halten, aber von den tatsächlichen baulichen Gegebenheiten in Frankfurt wenig Ahnung haben, zu vehementen Protesten anzuhalten“. Infolge dessen hätte dann der zuständige Landesdenkmalpfleger in einem wesentlichen Punkt nachgegeben und das Foyer unter Denkmalschutz gestellt.

Das Landgericht Berlin hat am 24. Februar 2021 der FAZ diese Äußerung unter Androhung eines Ordnungsgeldes bis zu 250.000 € untersagt, da die rufschädigende Unterstellung des Agierens mit „Vorspiegelung alternativer Fakten“ eine unwahre Tatsachenbehauptung ist. Abgesehen hiervon spricht es für sich, dass Herr Alexander alle Personen, die sein Votum für ein Neubaulösung nicht teilen, für inkompetent erklärt und behauptet, der Landeskonservator Heinz Wionski sei vor dem Druck der mit unwahren Behauptungen agierenden Protestler eingeknickt und hätte gegen seine Überzeugung das Foyer unter Denkmalschutz gestellt. Wionski hatte aber bereits drei Jahre zuvor den Denkmalwert von Foyer und weiteren Gebäudeteilen öffentlich bekundet.

Die Ironie bei der Unterstellung „alternativer Fakten“ war zudem, dass es bei der Kritik an dem offiziellen, von Herrn Alexander unterstützten Kurs der Stadt Frankfurt am Main nicht zuletzt darum ging, dass die Fachgutachten vonseiten der Stadt der Öffentlichkeit und den Stadtverordneten vorenthalten wurden und wir als Initiative deren Veröffentlichung mit Nachdruck und letztendlich erfolgreich einforderten. Dabei wurde offenkundig, dass die Fakten anders sind als von den Verantwortlichen dargestellt und die Begründung für den pauschalen Ausschluss von Bestandslösungen nicht plausibel und infolge dessen hinfällig sind (siehe: http://zukunft-buehnen-frankfurt.de/2020/08/24/validierungsgutachten-widerspricht-der-abrissbegruendung/).

Matthias Alexander stützte seine Falschbehauptung im Wesentlichen auf Äußerungen des Leiters der Stabsstelle der Stadt Frankfurt am Main Michael Guntersdorf. Insofern wandte sich der Beschluss des Berliner Landgerichts indirekt auch gegen dessen Falschdarstellungen. Bereits im April 2020 hatten Michael Guntersdorf und Kulturdezernentin Ina Hartwig der Initiative das Agieren mit unwahren Behauptungen unterstellt (siehe FAZ vom 8.4.2020). So behaupteten beide laut FAZ, anders als kritisiert seien keine Informationen unter Verschluss gehalten worden. De facto aber wurden erst auf Druck der Initiative und Monate nach dem Abrissbeschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 30. Januar 2020 die entscheidungsbegründenden Gutachten der Öffentlichkeit und auch den Stadtverordneten selbst zugänglich gemacht: Das Gutachten des Planerteams im Mai 2020, der Validierungsbericht im August 2020.

Die städtische Stabsstelle bezichtigt ihre Kritiker der Falschaussage. Und Matthias Alexander von der FAZ übernimmt unkritisch diese diffamierenden Äußerungen.

Mit gutem Beispiel voran!

In einem ausführlichen Interview in der FAZ vom 3. Februar nimmt Maren Harnack, Professorin für Städtebau an der Frankfurt UAS und Mitglied der Initiative Zukunft Städtische Bühnen, Stellung zur städtebaulichen Entwicklung der Stadt. In diesem Rahmen äußert sie sich auch zu den aktuellen Debatten um das Bühnengebäude und kritisiert die Fantasielosigkeit der laufenden Planungen – sowohl in konzeptioneller als auch in architektonischer Hinsicht.

Die von der Stadt in Auftrag gegebenen Testentwürfe für die Bühnen arbeiten mit ziemlich herkömmlichen Ansätzen bis hin zur Frage, an welcher Seite sich die ‚repräsentative Seite‘ befinden wird, und wenig mit dem, wie Theater in Zukunft sein kann. Man muss mehr über das Theater von morgen nachdenken und es mit der Stadt zusammenbringen. Man weiß ja gar nicht, was man will. Der jetzige Weg leuchtet mir nicht ein: Man perpetuiert das, was man schon hat.“
Maren Harnack, FAZ, 3. Februar 2021

Zugleich wirbt sie für einen gleichermaßen respektvollen und kreativen Umgang mit dem bestehenden Bühnengebäude, dessen Qualitäten es zu bewahren gilt, dessen Bestand man gleichwohl umfassend erneuern und so den veränderten Bedürfnissen anpassen könne.

Ich bin dafür, den Bestand der Doppelanlage weiterzuentwickeln, nicht, ihn zu konservieren. Die Anlage ist nicht frei von Fehlern, man kann und man muss den Bestand kräftig anfassen. Man sollte das Erdgeschoss viel mehr zur Stadt öffnen und das ganze Haus stärker mit der Umgebung vernetzen (…). Man könnte das Foyer erhalten und dahinter ganz viel umbauen und das Konglomerat mit dem Seeling-Bau, also den Resten des historischen Schauspielhauses von 1902, um etwas Neues ergänzen.“
Maren Harnack, FAZ, 3. Februar 2021

Grundsätzlich gelte es, den Gebäudebestand der Stadt respektvoll und nachhaltig weiterzuentwickeln. Die Kommune sollte (nicht nur) bei den Städtischen Bühnen in dieser Hinsicht ein Zeichen setzen.

Wir müssen generell sorgfältiger mit unserem Gebäudebestand umgehen. Wie viel in Frankfurt abgerissen, ist der reinste Wahnsinn. Die Stadt sollte da mit gutem Beispiel vorangehen.“
Maren Harnack, FAZ, 3. Februar 2021

Welches Theater für welche Stadt? Veranstaltungsdokumentation

Die Podiumsdiskussion zur Zukunft der Städtischen Bühnen Frankfurt fand am 17. Februar 2021 im Rahmen der Reihe „Welches Theater für welche Stadt?“ in Kooperation mit der Goethe-Universität Frankfurt am Main sowie dem LOEWE Schwerpunkt „Architekturen des Ordnens“ statt.

Podium

Moderation

Ulrike Haß, Theaterwissenschaftlerin, Bochum/Berlin
Frank Schmitz, Architekturhistoriker, Universität Hamburg

Prof. Dr. Carsten Ruhl, Architekturhistoriker, Goethe-Universität Frankfurt

Frankfurts Theater steht im Augenblick vor einer Weichenstellung, die es bis weit in das 21. Jahrhundert maßgeblich mitprägen wird: Wie sollen die Gebäude aussehen, in denen zukünftig das städtisch subventionierte Theater stattfinden wird? Wo sollen Oper, Schauspiel, Kinder- und Jugendtheater, wo die experimentellen darstellenden Künste zukünftig geprobt, aufgeführt, gesehen und verhandelt werden? Vier der fünf zukünftigen städtischen Theaterbauten sind derzeit – auf verschiedenen Stufen – in Planung.

Vor diesem Hintergrund wollen Architekturgeschichte und Theaterwissenschaft der Goethe-Universität Frankfurt am Main in zwei Veranstaltungen die durch diese Situation aufgeworfenen Fragen öffentlich diskutieren. Dabei sollen Vorträge von Wissenschaftler_innen und Gesprächsbeiträge von Künstler_innen dazu beitragen, die dringend gebotene Diskussion über das Frankfurter Theater der Zukunft auf eine breitere Grundlage zu stellen. 

Im Rahmen der ersten Veranstaltung „Theater 2040 – Konzeptionen und ihre Architekturen“ am 16. Dezember 2020 sprach Nikolaus Müller-Schöll (Theaterwissenschaftler, Goethe-Universität Frankfurt) mit der Leiterin des Kulturzentrums Kampnagel, Amelie Deuflhard sowie der Dramaturgin Rebecca Ajnwojner (Maxim Gorki Theater Berlin). Ein Mitschnitt der Veranstaltung ist hier online verfügbar.

Pressebericht in der FAZ vom 19.2.2021: https://zeitung.faz.net/faz/rm-kultur/2021-02-19/538744e83c428afaaf793c70b786b156/?GEPC=s5

Städtische Bühnen Frankfurt, Bild: Ufert Beckert ©Sven und Jens Beckert,
Bearbeitung: Anna Ranches (Bureau Mitte)

Pressespiegel: Weiterbauen ist die Zukunft

Angesichts der nahenden Wahlen am 14.3.2021 ist die Diskussion um die Zukunft der Bühnen wieder entbrannt. Viele Zeitungen und Journale berichteten, wobei die kritische Stellungnahme des hessischen Wirtschaftsministeriums zu dem von der CDU favorisierten Bühnenstandort Osthafen ein wichtiges Thema war. In der FR vom 2.2. wiederum setzte sich Christian Thomas kritisch mit der Initiative zur Rekonstruktion des Seeling-Theaters von 1902 auseinander. Besonders bemerkenswert, weil besonders schrill im Ton und einseitig in der Argumentation, waren zwei Artikel von Matthias Alexander in der FAZ (vom 27.1. und 5.2.). Er beließ es nicht bei Diffamierungen „heuchelnder“ Politikerinnen und Politiker und pauschalen, nicht weiter begründeten Unterstellungen gegenüber Mitgliedern unserer Initiative („Vorspiegelung alternativer Fakten“) oder der Beleidigung aller, die sich für den Erhalt des Foyers einsetzen, als „Stahlbetonköpfe“. Nein, der Historiker Alexander, ausgewiesener Spezialist für konservative Parteien im Kaiserreich, erkühnte sich sogar, zunächst die Kompetenz aller nationalen Denkmalpflegeverbände anzuzweifeln („die sich für kompetent halten“), um dann der großen Zahl von Fachleuten, die den seiner Empfindung nach „überbewerteten“ Foyerbau als bedeutend und daher erhaltenswert einschätzten, implizit das fachliche Urteilsvermögen abzusprechen. Zu den derart Zurechtgewiesenen gehört auch Christoph Mäckler, der in einem Interview mit der FAZ jüngst das Foyer als „irrsinnig elegant“ bezeichnete und seinen Erhalt begrüßte.   

Sehr viel aufschlussreicher als die persönlichen Kommentare von Journalisten, die sich in der Sache „für kompetent halten, aber von den tatsächlichen baulichen Gegebenheiten (…) wenig Ahnung haben“ (Zitat Alexander), ist das Interview, das Rainer Schulze (FAZ) jüngst mit dem Frankfurter Architekturbüro schneider+schumacher führte, die federführend an der Validierung der Machbarkeitsstudie zu den Städtischen Bühnen beteiligt waren – schließlich kennt kaum jemand das Gebäude und den Planungsstand besser (Stadt der Zukunft. „Fußgängerzonen haben sich nicht bewährt“ vom 25.1.2021). Till Schneider bewertete in dem Interview den Abbruch-Beschluss der Stadt vom Januar 2020 als Folge einer Kettenreaktion, die sich noch aufhalten ließe.

„Der Willy-Brandt-Platz ist der geeignete Ort. Ich fände es reizvoll, wenn man es doch schaffen würde, die bestehende Doppelanlage entweder zu sanieren oder an diesem Ort ganz oder teilweise neu zu errichten.“
Till Schneider, FAZ, 25.01.2021

Im Zuge der Validierung der überarbeiteten Machbarkeitsstudie von 2017 erhielten die Architekten einen detaillierten Einblick in die technischen und wirtschaftlichen Prämissen der Studie. Ausschlaggebend für den Entscheid der Stadt, die Option einer Sanierung zu verwerfen, war laut Schneider die zugrundeliegende Annahme, dass die bestehenden Flächen für die aktuellen technischen wie behördlichen Anforderungen an die Gebäudetechnik nicht ausreichen, weshalb die Werkstätten weichen müssen. Auf dieser Prämisse basierte die Einschätzung, dass ein Neubau gegenüber der Sanierung wirtschaftlicher sei.

„Die Annahme, dass die Gebäudetechnikflächen nicht mehr ausreichen, löst eine Kettenreaktion aus. Dass die Sanierung bisher die teuerste Variante ist, hängt an dieser Kette.“
Till Schneider, FAZ, 25.01.2021

Innerhalb des Validierungsteams war das international renommierte Ingenieurbüro Arup für den Themenkomplex der Haustechnik verantwortlich und erbrachte den Nachweis, dass die notwendigen haustechnischen Anlagen auch auf den zur Verfügung stehenden Flächen untergebracht werden könnten. Die Werkstätten könnten folglich am jetzigen Ort bleiben und die bisher angenommene Kaskade ließe sich aufhalten.

Es ist eine Entscheidung: Man kann die Bühnen erhalten und nachhaltig sanieren, oder man baut sie neu an anderer Stelle oder am Willy-Brandt-Platz.“
Till Schneider, FAZ, 25.01.2021

Kritisch betrachten kann man gemäß Schneider zudem die wirtschaftliche Bewertung der untersuchten Varianten. Für eine Sanierung wurde ein Risikoaufschlag von 30% eingerechnet, für einen Neubau jedoch nur 10%, auch wenn im Falle eines Neubaus bisher weder der genaue Standort noch ein belastbares Raumprogramm bekannt seien. Ebenso könnten die bisher veranschlagten Kosten für die notwendigen Interimsbauten noch optimiert werden.

Auch wenn die bestehende Doppelanlage einige Herausforderungen mit sich bringe, seien die bestehenden Probleme durchaus lösbar. Das Thema Energieeffizienz zum Beispiel ließe sich mit neuen Konzepten zur Außenhaut und der Gebäudetechnik meistern. Auch im Hinblick auf die Barrierefreiheit, auf die Verflechtung von Erdgeschossnutzung und Außenraum wie auch auf ein niederschwelliges Angebot für ein erweitertes Publikum ist Schneider optimistisch.

„Es gibt wunderbare Beispiele, wo der Nachweis erbracht wurde, dass man mit Bestandsbauten etwas anstellen kann. Man könnte fragen: Was muss man wegnehmen, um funktionale Missstände zu beseitigen? Was muss man dazutun, um ein in die Jahre gekommenes Areal zu etwas Neuem zu verwandeln? Dabei fällt aus ökologischer Sicht auch ins Gewicht, wie viel der im Bestand schlummernden grauen Energie man vernichten würde und wie viel Energie man wiederum aufwenden müsste, um das gleiche Volumen wieder zu errichten.“
Till Schneider, FAZ, 25.01.2021

Auch die Architektin Astrid Wuttke, Mitglied der Geschäftsleitung von schneider+schumacher und Teil des Validierungsteams zur Zukunft der Städtischen Bühnen, erläutert in einem Interview auf der Büro-Webseite, dass das Validierungsgutachten zwar eine fundierte Entscheidungshilfe darstelle, eine Entscheidung aber keinesfalls vorwegnehme. Auch eine Sanierung sei weiterhin möglich. Grundsätzlich sei im bisherigen Prozess der Aspekt des Weiterbauens zu wenig berücksichtigt worden. Weiterbauen, so Wuttke, bedeute deutlich mehr als Bestandserhalt und erfordere mindestens so viel Kompetenz und Kreativität wie jedes Neubauprojekt. Damit könne Frankfurt innovativer sein als mit einem aus der Zeit gefallenen Neubauspektakel am Stadtrand.

Das Interview ist in ganzer Länge auch auf unserer Seite wiedergegeben.

Die Bühnen in den Wahlprogrammen

Wir haben hier die Forderungen zusammengefasst, die die Parteien in ihren Programmen zur Kommunalwahl am 14. März 2021 für die Amtszeit 2021-2026 in Frankfurt am Main in puncto Zukunft Städtische Bühnen Frankfurt stellen.

Bild: Alfons Maria Arns

SPD

Was wir bis 2026 noch erreichen werden:

1. Wir werden den Willy-Brandt-Platz als kulturellen Ort erhalten und nicht an private Investoren verkaufen. Entlang der Wallanlage werden wir eine Kulturmeile entwickeln. Oper und Schauspiel gehören in die Innenstadt.

(…)

Der Wert von Kultur misst sich nicht in erster Linie an wirtschaftlichen Maßstäben 

Die SPD wird in Regierungsverantwortung die herausragenden künstlerischen Leistungen unserer Städti- schen Bühnen, Museen und anderen Kultureinrichtungen finanziell sichern. 

Wir werden Kunst zu gesellschaftlichen Fragen und politischen Streitthemen weiter fördern und Museen und Theater als Räume für öffentliche Debatten stärken.

Wir wollen den öffentlich und kulturell genutzten Raum in der Innenstadt und in den Stadtteilen gegen den Vermarktungsdruck verteidigen. Das betrifft auch den WillyBrandt Platz, den wir beim Neubau der Städtischen Bühnen als Frankfurts traditionellen Bühnenstandort mit mindestens einer Bühnensparte erhalten werden.

https://www.spd-frankfurt.de/kultur-fuer-alle

https://www.spd-frankfurt.de/fileadmin/Dokumente/Kommunalwahl_2021_-_Unsere_Schwerpunkte_fuer_Frankfurt.pdf

CDU

Kultur – Dafür stehen wir und das sind unsere Ziele 

In­ der­ nächsten ­Wahlperiode ­verdienen ­der ­anstehende ­Neubau­ der ­Städtischen ­Bühnen, ­die ­Zukunft­ des Zoos und die Paulskirche mit dem Haus der Demokratie unsere besondere Aufmerksamkeit: Die Stadt­ Frankfurt­ steht ­in­ den ­nächste­Jahren­ vor­ der­ Jahrhundertaufgabe, ­wie ­sie ­den­ Neubau ­der ­Städtischen­ Bühnen­ bewerkstelligen­ und­ finanzieren­ soll.­ Wir­ bekennen­ uns­ zu­ dieser­ Aufgabe,­ weil­ Oper­ und­ Schauspiel­ unverzichtbarer­ Bestandteil­ der­ Frankfurter­ Kulturlandschaft­ sind.­ Wir­ wollen­ eine­ Gesamtlösung­ für­ Oper,­ Schauspiel,­ Werkstätten­ sowie­ Probebühnen­ und­ kein­ Stückwerk.­ Wir­ sind­ bereit,­ über­ neue­ Standorte­ nachzudenken,­ wenn­ damit­ teure­ und­ zeitlich­ riskante­ Interimsstätten­ ­vermieden­ werden.­ Interimsstätten­ lassen­ kaum­ die­ bisherigen­ Besucherzahlen­ zu,­ und­ in­ mehrjährigen ­Provisorien ­wird ­sich­ kaum­ das­ hohe­künstlerische ­Niveau­ halten ­lassen.­ Für­ uns ­haben ­städtische­ Grundstücke­ den­ Vorrang.­ Das­ gilt­ insbesondere­ für­ das­ Grundstück­ im­ Hafenparkquartier,­ einem­ Stadtteil,­ der ­sich ­in ­den ­nächsten ­10­Jahren ­rasant­ verändern­ wird.­ Wir­wissen,­ dass­ wir ­vieles­ abverlangen. Ohne Kompromissbereitschaft, Opfer und Einschränkungen, ohne Verzicht auf so manche lieb gewordenen­ Gewohnheiten­der ­Besucher/innen,­ Mitarbeiter/innen­ und­ Künstler/innen­ und­ ohne­ Mut­ und Risiko wird es nicht gehen. Wenn alle dazu bereit sind, dann kann diese gemeinsame Kraftanstrengung­ auch­ ein­ Symbol­ für­ bürgerschaftliches­ Engagement,­ Aufbruchsstimmung­ und­ das­ Selbstverständnis unserer Stadt zwischen Moderne und Tradition werden. 

https://www.cduffm.de/image/inhalte/file/Kommunalwahlprogramm_lang_Version_Download.pdf

GRÜNE

Frankfurt neu denken
Die Knoten lösen – Städtische Bühnen und Kulturcampus 

In der städtischen Kulturpolitik hat sich an einigen großen Baustellen vieles angesammelt, aber es ist nicht viel vorangekommen. Über große Investitionen braucht es auch eine breite Verständigung, denn niemand sollte leichtfertig Entscheidungen über Investitionen von einigen hundert Millionen Euro treffen. Wir sehen, dass eine breite Diskussion stattfindet und wollen zu einer Entscheidung über die Städtischen Bühnen kommen. Für uns steht fest: Der Willy-Brandt-Platz ist der Standort der Städtischen Bühnen und soll es auch bleiben. Neue Gebäude müssen dabei die Geschichte des Ortes und der Kultur an diesem Ort respektieren. Der Willy-Brandt-Platz steht für erstklassiges Theater und erstklassige Oper, für politische und gesellschaftlich engagierte Inszenierungen und Provokationen, für die Freiheit von Kunst und Kultur – und für viele Frankfurter*innen und Menschen aus dem Umland und der ganzen Welt für Erinnerungen. Das Wolkenfoyer und die klare, transparente Architektur der Städtischen Bühnen stehen auch für eine Haltung, an der wir festhalten wollen. Wir wollen eine Lösung für die Städtischen Bühnen, die diese Tradition in die Zukunft führt. 

Große Kulturorte, große Herausforderungen

Wir machen uns für den Erhalt der Städtischen Bühnen möglichst unter Beibehaltung des Wolkenfoyers am Willy-Brandt-Platz, für eine Lösung unter Berücksichtigung von Umwelt-, Klima- und Nachhaltigkeitsgesichtspunkten und für eine Beteiligung der interessierten Bürger*innenschaft an der Finanzierung stark. Eingriffe in die Wallanlagen müssen nach Möglichkeit vermieden werden. Sollte ein Eingriff in die Wallanlagen dennoch die sinnvollste Lösung sein, muss jede Lösung zu einer quantitativen und qualitativen Aufwertung der Wallanlagen führen und insgesamt auch ökologisch eine nachhaltige Lösung sein. Vor allem aber gilt: Die Häuser müssen in erster Linie von der Kultur her gedacht sein.

Wir wollen ein international und kooperativ denkendes und arbeitendes Kinder- und Jugendtheater in Frankfurt. Wir suchen dabei die Kooperation auch mit dem Land Hessen und der Region und erwarten von der zukünftigen Konzeption, dass sie die Zusammenarbeit mit den bestehenden freien Theatern, aber auch mit den städtischen Häusern und freien Künstler*innen als zentralen Punkt der Arbeit begreift. Wir wünschen uns die Wiederbelebung der großen Tradition des modernen Tanztheaters unter dem Dach der Städtischen Bühnen in Frankfurt. Für dieses Projekt werden wir im Rahmen einer breiten Diskussion die Grundlagen legen. 

https://www.gruene-frankfurt.de/fileadmin/partei/00_Bilder/KW2021/Beschluesse/FRANKFURT_NEU_DENKEN_-_FINAL.pdf

Weitere Parteien und Wahlprogramme:

FDP

https://fdp-frankfurt.de/lebendige-und-vielfaltige-kultur

DIE LINKE

https://die-linke-frankfurt.de/wp-content/uploads/2021/01/DIELINKE_Wahlprogramm_online.pdf

ÖkoLinX

http://www.oekologische-linke.de

AfD

https://ffm.afd-hessen.org/kommunalwahlprogramm-2021-2026/

BFF

https://www.bff-frankfurt.de/wahl2021.pdf

Die Partei


http://www.die-partei-frankfurt.de/wahl2021/wahlprogramm

Respektvoll und mutig weiterbauen

Die Architektin Astrid Wuttke war Teil des Validierungsteams zur Zukunft der Städtischen Bühnen, das 2019 unter der Federführung von schneider+schumacher im Auftrag der Stadt Frankfurt die Überarbeitung der Machbarkeitsstudie von 2017 begleitete und kritisch hinterfragte. Sie war bei unserer Podiumsdiskussion „Kulturikone weiterbauen?“ zu Gast und stellte sich in einem Interview, das auf der Webseite des Architekturbüros veröffentlicht wurde und das wir hier wiedergeben dürfen, den Fragen zum Validierungsgutachten sowie zum Zukunftspotenzial des Bühnengebäudes.

Liebe Astrid, in aller Kürze: Zu welchem Ergebnis ist das Validierungsgutachten gekommen?

Das im Rahmen der Planungsstudie erarbeitete Zahlenmaterial stellt eine fundierte Entscheidungshilfe dar, nimmt aber eine Entscheidung keinesfalls vorweg. Auch eine Sanierung ist hiernach grundsätzlich möglich. Am Ende ist es eine politische Entscheidung für oder gegen den Standort am Willy-Brandt-Platz mit einer Doppelanlage oder als getrennte Spielstätten an anderen Standorten – und wie Frankfurt dabei mit seinem baulichen, kulturellen Erbe umgehen möchte. Der Denkmalwert von Teilen des Gebäudekomplexes, insbesondere des Goldwolkenfoyers, blieb in der Untersuchung 2019 allerdings unberücksichtigt.

Was sind die Gründe dafür?

Zum Zeitpunkt der Studie lagen uns keine eindeutigen Informationen vor, ob und wenn ja welche Gebäudeteile unter Denkmalschutz stehen, da bisher noch keine Eintragung in die Denkmalliste erfolgt ist. Das Landesamt für Denkmalpflege hat dazu ein Gutachten erstellt, das erst im Frühjahr 2020 veröffentlicht wurde.

Zur Abrissentscheidung im Januar hieß es, eine Sanierung sei nicht wirtschaftlich.

Die Stadt Frankfurt gibt zur Wirtschaftlichkeitsbewertung von Gebäuden vor, dass bis zu 30% der Bewertung aus nicht monetären Aspekten abgeleitet werden können. Das ergab in unserem Fall, dass die ökonomische Qualität zu 70% in die abschließende Bewertung eingehen sollte. Somit verblieben für soziale/funktionale Qualität 25%, für ökologische Qualität lediglich 5%. In einer nachhaltigen Variantenbewertung müsste die Ökonomie eigentlich gleichwertig zur ökologischen und sozialen/funktionalen Qualität bewertet werden. Dadurch bekämen Fragen des Standortes oder der Grauen Energie eine ganz andere Bedeutung. Eine Diskussion darüber, welche Wertungsmatrix für ein Bühnenprojekt dieser Dimension die angemessene ist, hat bisher nicht stattgefunden.

Welcher Aspekt wurde bisher aus Deiner Sicht außerdem zu wenig berücksichtigt?

Der Aspekt des Weiterbauens. Weiterbauen bedeutet weit mehr als Bestandserhalt. Dem Baudenkmal respektvoll und gleichzeitig mutig zu begegnen, Potentiale zu erkennen und daraus mit Geschick individuelle unverwechselbare und eigenständige Lösungen zu entwickeln, bei denen vermeintliche Nachteile zu Qualitäten werden, erfordert mindestens so viel Kompetenz und Kreativität wie jedes Neubauprojekt. Damit kann Frankfurt 2030 innovativer sein als mit einem aus der Zeit gefallenen Neubauspektakel am Stadtrand.

Vielen Dank für Deine Antworten.

Veranstaltungsdokumentation:

Der Abriss der Theaterdoppelanlage der Städtischen Bühnen Frankfurt von ABB Architekten aus dem Jahr 1963 mit seiner einzigartigen Gestaltung des Wolkenfoyers durch die beiden jüdischen Künstler Marc Chagall und Zoltán Kemény schien seit dem Stadtratsbeschluss von Januar 2020 entschieden. Doch für ein Neubauprojekt gibt es bislang keine Verständigung auf einen Standort, nicht einmal ein verfügbares Grundstück. Und allen unzähligen Veranstaltungen und Medienberichten zum Trotz ist die zehnjährige Debatte von elementaren blinden Flecken geprägt: Wie soll das Stadttheater der Zukunft aussehen? Wir kann das Theater Menschen erreichen, die es bislang nicht besuchen? Was ist der kulturelle Wert der bestehenden Anlage? Wäre ein Teilerhalt des bestehenden Gebäudekomplex denkbar, der Bewahrung und Innovation miteinander verbindet und der damit im Zeichen einer nachhaltigen Umweltpolitik steht? 

Die Initiative Zukunft Städtische Bühnen Frankfurt veranstaltet daher eine Reihe von öffentlichen Diskussions-Veranstaltungen zu diesen offenen Fragen, zu denen führende Architekt*innen, Theatermacher*innen, Künstler*innen, Kurator*innen und Wissenschaftler*innen zu Wort kommen und mit Frankfurter*innen, Akteur*innen aus Politik, Kultur und Gesellschaft diskutieren. Diese Veranstaltungen fanden bisher statt:

Kulturikone weiterbauen?

Ist es wirklich innovativ, Tabula Rasa zu machen und bestehende Gebäude durch Neubauten zu ersetzen? Liegt die Zukunft von Bauen nicht im Bestand?
Wir haben bei einer hybriden Podiumsdiskussion zur Zukunft der Städtischen Bühnen Frankfurt am 23. November 2020 darüber mit Prof. Claus Anderhalten (Anderhalten Architekten, Berlin), Jan Schneider (Baudezernent Frankfurt), Astrid Wuttke (schneider + schumacher, Frankfurt) und Prof. Dr. Maren Harnack (Frankfurt University of Applied Sciences) gesprochen. Moderiert wurde das erste Gespräch unserer Reihe von Anna Scheuermann.
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Die Raumskulptur von Zoltan Kemeny

Die Deckenskulptur des Frankfurter Theaterfoyers wird allseits geschätzt, doch wenig ist über den Künstler, die Entstehung und Rezeption seines Frankfurter Werkes bekannt. Wie kam es zur Beauftragung des ungarisch-jüdischen Künstlers 1963? Welche Idee und Konzepte prägen sein Werk, welche Rolle nimmt er in der Entwicklung des Nachkriegskunst ein? Welchen Bezug hat das Werk zur Architektur der Theaterdoppelanlage und dem Stadtraum? Und lässt sich die Arbeit – wie beabsichtigt – in einen Neubau translozieren? 
Wir haben diese Fragen auf einer Online-Podiumsdiskussion zur Zukunft der Städtischen Bühnen Frankfurt am 4. Dezember 2020 mit Dieter Schwarz (ehem. Direktor des Kunstmuseums Winterthur), Alfons Maria Arne (Freischaffender Kulturhistoriker, Frankfurt/Main) und Susanne Tietz (Direktorin des städtischen Museums Abteiberg, Mönchengladbach) gesprochen. Moderiert wurde dieses Gespräch von Prof. Philipp Oswalt.
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Welches Theater für welche Stadt?

Frankfurts Theater steht im Augenblick vor einer Weichenstellung, die es bis weit in das 21. Jahrhundert maßgeblich mitprägen wird: Wie sollen die Gebäude aussehen, in denen zukünftig das städtisch subventionierte Theater stattfinden wird? Wo sollen Oper, Schauspiel, Kinder- und Jugendtheater, wo die experimentellen darstellenden Künste zukünftig geprobt, aufgeführt, gesehen und verhandelt werden?

Teil 1: Theater 2040 – Konzeptionen und ihre Architekturen

Darüber, wie Konzeptionen und Architekturen von Theater 2040 aussehen können, haben wir auf einer Online-Podiumsdiskussion am 16. Dezember 2020 mit Amelie Deuflhard (Kampnagel, Hamburg), Rebecca Ajnwojner (Maxim Gorki Theater, Berlin) gesprochen. Moderiert wurde dieses Gespräch  von Prof. Dr. Nikolaus Müller-Schöll. 
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Teil 2: Theaterbauten, Kultur für alle

Auf einer Online-Podiumsdiskussion zu Theaterbauten, Kultur für alle sprachen wir am 17. Februar 2021 mit Ulrike Haß (Theaterwissenschaftlerin, Bochum/Berlin) und Frank Schmitz (Architekturhistoriker, Universität Hamburg). Moderiert wurde dieses Gespräch  von Prof. Dr. Carsten Ruhl.  
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Theater 2040 – Konzeptionen und ihre Architekturen Veranstaltungsdokumentation

Die Podiumsdiskussion zur Zukunft der Städtischen Bühnen Frankfurt fand am 16. Dezember 2020 im Rahmen der Reihe „Welches Theater für welche Stadt?“ der Goethe-Universität Frankfurt statt.

Podium: 

Amelie Deuflhard (Kampnagel, Hamburg), 
Rebecca Ajnwojner (Maxim Gorki Theater, Berlin)

Moderation: 

Prof. Dr. Nikolaus Müller-Schöll, Goethe-Universität Frankfurt

Frankfurts Theater steht im Augenblick vor einer Weichenstellung, die es bis weit in das 21. Jahrhundert maßgeblich mitprägen wird: Wie sollen die Gebäude aussehen, in denen zukünftig das städtisch subventionierte Theater stattfinden wird? Wo sollen Oper, Schauspiel, Kinder- und Jugendtheater, wo die experimentellen darstellenden Künste zukünftig geprobt, aufgeführt, gesehen und verhandelt werden? Vier der fünf zukünftigen städtischen Theaterbauten sind derzeit – auf verschiedenen Stufen – in Planung. Vor diesem Hintergrund wollen Architekturgeschichte und Theaterwissenschaft der Goethe-Universität in zwei Veranstaltungen die durch diese Situation aufgeworfenen Fragen am 16. Dezember sowie am 17. Februar, jeweils um 18 Uhr, öffentlich diskutieren. Dabei sollen Vorträge von Wissenschaftlern und Gesprächsbeiträge von Theatermacher*innen dazu beitragen, die dringend gebotene Diskussion über das Frankfurter Theater der Zukunft auf eine breitere Grundlage zu stellen.

Pressberichte:

Besprechung in der FAZ: https://zeitung.faz.net/faz/rm-kultur/2020-12-18/88b40f6f946b39378846d01122664718/?GEPC=s5

William Forsythe in der abgebrannten Oper Frankfurt, Bild: Mara Eggert, Bearbeitung:
Anna Ranches (Bureau Mitte)

Kulturikone weiterbauen? Veranstaltungsdokumentation

Livestream-Diskussion zur Zukunft der Städtischen Bühnen Frankfurt

Ist es wirklich innovativ, Tabula Rasa zu machen und bestehende Gebäude durch Neubauten zu ersetzen? Liegt die Zukunft von Bauen nicht im Bestand? Viele der relevantesten Architekturen des letzten Jahrzehnt waren Transformationen. Und im Zuge einer verantwortungsvollen Ressourcen- und Klimapolitik können wir uns Abriss in dem bisher praktizierten Ausmaß nicht mehr leisten. Doch diese Debatte fehlt bislang in Frankfurt.

Was heißt das für die Zukunft der Städtischen Bühnen Frankfurt? Darüber haben wir am 23. November 2020, bei einer Livestream-Diskussion aus der Evangelischen Akademie Frankfurt mit Expert*innen auf diesem Gebiet diskutiert: Professor und Architekt Claus Anderhalten als Spezialist für Bauen im Bestand, mit Jan Schneider, der als Baudezernent von Frankfurt einen Neubau im Osthafen befürwortet, mit Astrid Wuttke vom Architekturbüro schneider + schumacher, eine der Autor*innen des Validierungsgutachtens. Moderiert wurde die Veranstaltung von der freien Autorin und Kuratorin Anna Scheuermann.

Gibt es einen experimentellen Umgang mit dem Bestand der Theaterdoppelanlage? Ist eine Sanierung der Städtischen Bühnen Frankfurtunter ökologischen Gesichtspunkten nicht doch besser als ein Neubau, so wie es im offiziellen Validierungs-Gutachten heißt? Wir hoffen damit, bestehende Sichtweisen in der Debatte aufzubrechen und den bisher formulierten Antagonismus – 100 Prozent Neubau versus Einfrieren des Status quo –hinter uns zu lassen.

Kuratiert wurde die Gesprächsrunde von den Professor*innen Maren Harnack (Frankfurt University of Applied Sciences, Schwerpunkt Städtebau) und Philipp Oswalt (Universität Kassel) zusammen mit der Initiative Zukunft Städtische Bühnen Frankfurt.

Hintergrund

Der Abriss der Theaterdoppelanlage der Städtischen Bühnen Frankfurt von ABB Architekten aus dem Jahr 1963 mit seiner einzigartigen Gestaltung des Wolkenfoyers durch die beiden jüdischen Künstler Marc Chagall und Zoltán Kemény schien seit dem Stadtratsbeschluss von Januar 2020 entschieden. Doch für ein Neubauprojekt gibt es bislang keine Verständigung auf einen Standort, nicht einmal ein verfügbares Grundstück. Und allen unzähligen Veranstaltungen und Medienberichten zum Trotz ist die zehnjährige Debatte von elementaren blinden Flecken geprägt: Wie soll das Stadttheater der Zukunft aussehen? Wir kann das Theater Menschen erreichen, die es bislang nicht besuchen? Was ist der kulturelle Wert der bestehenden Anlage? Wäre ein Teilerhalt des bestehenden Gebäudekomplex denkbar, der Bewahrung und Innovation miteinander verbindet und der damit im Zeichen einer nachhaltigen Umweltpolitik steht? 

Aus dem Kontext der Initiative Zukunft Städtische Bühnen Frankfurt veranstalten daher mehrere Institutionen eine Reihe von öffentlichen Diskussions-Veranstaltungen zu diesen offenen Fragen, zu denen führende Architekt*innen, Theatermacher*innen, Künstler*innen, Kurator*innen und Wissenschaftler*innen zu Wort kommen und mit Frankfurter Akteur*innen aus Politik, Kultur und Gesellschaft diskutieren.

Petition und Initiative Zukunft Städtische Bühnen Frankfurt

Die am 9. März 2020 ins Leben gerufene Petition „Zur Zukunft der Städtischen Bühnen Frankfurt“ hat bis dato knapp 6.000 Unterschriften erhalten. Zu den Initiator*innen der Initiative Zukunft Städtische Bühnen Frankfurt gehören Prof. Dr. Maren Harnack (Frankfurt University of Applied Sciences), Hans-Christoph Koch (Werkbund Hessen), Prof. Dr. Nikolaus Müller-Schöll (Goethe-Universität Frankfurt), Prof. Philipp Oswalt (Universität Kassel) und Prof. Dr. Carsten Ruhl (Goethe-Universität Frankfurt) und weitere Unterstützer*innen aus Politik, Kultur und Gesellschaft.

Bild Ulfert Beckert © Jens und Sven Beckert
Bearbeitung: Anna Ranches (Bureau Mitte)

Pressberichte:

https://www.hessenschau.de/kultur/gibt-es-in-frankfurt-nicht-doch-eine-chance-fuer-die-buehnen-doppelanlage,zukunft-buehnen-frankfurt-100.html

https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/frankfurt/staedtische-buehnen-frankfurt-auch-sanierung-ist-moeglich-17067568.html

https://www.fr.de/frankfurt/zukunft-der-staedtischen-buehnen-in-frankfurt-weiterbauen-ist-ein-wort-der-zukunft-90111001.html

https://www.journal-frankfurt.de/journal_news/Kultur-9/Zukunft-Staedtische-Buehnen-Die-grosse-Frage-am-Willy-Brandt-Platz-36619.html